Wege

 

 

Gießelh. Kirchweg So 2012u13


 

 

 

 

 

 

Gießelhorster Kirchweg Wi 2012


 

 

 

 

 

 

 

Gießelh Kirchw. Frü 2013u14


 

 

 

 

 

 

 

 

Westerstede, das Ammerland insgesamt, weist auf flachen Relief eine erstaunliche Vielzahl von (Neben)Wegen auf. Vielfach als wunderschöne Alleen. Was das Radeln erleichtert. Ein besondere Art der Wege sind die Kirchwege. Hierauf legten die zum Kirchspiel gehörenden, weit außerhalb wohnenden Gemeindemitglieder den sonntäglichen Weg zurück. Der Gießelhorster Kirchweg ist dabei ein Weg, bei dem man sich wünscht, er würde gar nicht enden. Die Landschaftsästhetik dieses Kirchwegs nimmt einen derart ein. Die Abfolge unterschiedlicher Nutzungen versetzt den Betrachter in unterschiedliche Landschaftstypen. Rhododendronwald, extensive Wiesennutzung, Brachflächen, Getreideanbau, die Geometrie der Gartenbaulandschaft wechseln sich ab, stetig von der alleehaften Wegführung mit ihren feinen Windungen geleitet.

 

Erstaunlich wenig Literatur findet sich über die versteckten, beeindruckenden Kirchwege, genauer Kirchpfade für Fußgänger. Es gab auch Totenwege, die aber befahrbar waren, wie z. B. den Hollweger. Ein ästhetisierendes Lob der “Kleinlandschaften” und “Vordergrundidyllen” entrichtete Herman Ries 1940 in dem auch NS angehauchten Sammelband “Das Ammerland - Ein Heimatbuch”: “So ist es im wesentlichen die intime Schönheit von Kleinlandschaften und Vordergrundidyllen, die unserer Geest ihren Eigencharakter gibt. Ihren köstlichsten Zauber aber entfalten diese Vordergrundlandschaften abseits der großen Heerstraße an den verschwiegenen Feldwegen, die das Land durchqueren. Ein Teil dieser Dornröschenwege, und gerade die schönsten unter ihnen, sind Kirchpfade, die von den Dörfern nach Jahrhunderte altem Wegerecht zu den Kirchorten führen. Hier entwickelt die ammerische Geest die ganze Vielfalt ihrer landschaftlichen Unberührtheit. Die Kirchgänger, die diese Pfade wandeln, feiern Gottesdienst in der Natur, bevor sie das Gotteshaus erreichen. - Wundervoll sind der Torsholter und der Gießelhorster Kirchpfad, die nach Westerstede führen. Durch freie liebliche Heidelandschaft mit weißrindigen Birken und goldgelbem Ginster, durch dämmerdunkle Waldungen, in deren Schatten lichtgrüne, blumige Wiesen ruhen, über träge fließende Bäche hinweg führt der Weg, schützend begleiten dann wieder Wallhecken, aus denen Weißdorn und Heckenrosen locken, den Pfad. Grillenzirpen und Vogellied bereichern dei Symphonie dieser Landschaft.” Auch wenn Ries hier ein falsches Bild der Unberührtheit der ammerländischen Geest bzw. der Kirchwege zeichnet. Diese sind das Ergebnis gerade eines Eingriffes in die Natur - wenn auch eines mit eher extensiven Charakters. Die stetige menschliche Nutzung macht die Streifenlandschaft des Kirchweges aus. Also das Gegenteil von Unberührtheit. Die Kirchwege sind auch heute noch mehr als ein rein ästhetisches Erlebnis, sind mehr als nur Vordergrundidylle.

 

Tiefer in die Geschichte der Kirchwege tauchen Fritz Büsing und Friedrich Wilhelm Jaspers 1973 mit dem Beitrag “Unsere Kirchwege” im Bändchen “Werfet das Netz” ein. Die Kirchwege waren auch Liebespfade: “Nachbarn und Bekannte eines Dorfes verabredeten sich und gingen gemeinsam zur Kirche. Unterwegs gab es viel zu erzählen und auch Spaß dabei. Außerdem lernten sich hier junge Leute näher kennen, so daß nicht selten die Bekanntschaft auf dem Kirchweg zum Lebensweg führte.” Der Kirchweg hatte auch ökonomische Bedeutung für Westerstede. Die Westersteder Kaufleute hatten sonntags den Laden auf, so daß Kirchgang und Ladenbesuch vereint werden konnten. Kostenfrei gab es für die dörflichen Besucher im Laden sogar Kaffee und Kuchen. Eine Soziologie des Westersteder Kirchwegganges wurde bisher leider nicht geschrieben. Ebensowenig sind die noch vorhandenen Kirchwege auch bildhaft im einem Buch ausführlich beschrieben. Ein echter Verlust. Es waren noch mehr Kirchwege nach Westerstede angelegt. Z. B. der Westerloyer, Hüllsteder, den Hollweger Kirchpfad. Reste wie z. B. der Pastorenpadd. Aber kaum bis gar nicht mehr sichtbar.

 

 

 

Lindenallee

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lindenallee


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lindenallee II


 

 

 

 

 

 

 

 

Von Westerstede/Halstrup führen die schmalen Wege Am Paradies und Lindenallee fast immer als Alleen in Richtung Westerstederfeld. Begleitet von Weiden, Baumstreifen, geometrisch ausgerichteter Gartenbaulandschaft, Bebauung in Streuweise. Markiert von den Entfernungsangaben der Boßelkugelnwerfenden. Endend bei Ihorst. Die pittoreske Alleenlandschaft täuscht uns allerdings. Sie ist das Ergebnis einer “planvollen” Erschließung von Markungsland nach 1800. Die Vogteikarte von 1790 zeigt noch keine Wege hier an. Hier ist das Westersteder Feld noch Heidelandschaft. Die Aufteilung der Markung ermöglichte die Erschließung und Umwandlung zur Ackerbaulandschaft, heute vielfach auch Landschaftsbau(m)kulturen. Der Zusatz “Feld” kennzeichnet diese spätere Erschließung: Westerstederfeld, Westerloyerfeld. Der Siedlungstyp der heutigen Feldsiedlungen, also Einzelgehöfte entlang der Wege ohne dörfliche Verdichtung, das heute das Landschaftsbild bestimmt, täuscht hinweg, dass bis 1800 die Gewannsiedlung der Eschbauern der überwiegende Siedlungstyp war.

 

 

 

Torsholter Kirchweg


 

   

 

 

 

 

Der Torsholter Kirchweg ist inzwischen etwas gestutzt worden. Er ist nur noch in seiner historischen Form vorhanden ab dem Sandweg Ecke See Möhlenbült bis Torsholt Schule. Ab dem Möhlenbült bis zur Straße Westerstede - Ocholt überdeckt nun ein breiter Sandweg den ehemaligen schmalen baum- und buschreichen Weg.

 

 

 

 

 

 

"Totenweg" Westerstede - Halstrup - Hollwege

  

Totenweg


 

 

 

 

 

 

Der Totenweg von Hollwege über Halstrup nach Westerstede, auf dem die Verstorbenen mit dem Leichenwagen, von mehreren Pferden gezogen, zum Friedhof in Westerstede transportiert wurden, ist heutzutage nur noch in Resten erkennbar. Hollwege - schon der Name verweist auf die früher üblichen Hohlwege, sehr morastige (Wenn auch Carl Baasen dieser Deutung widersprach, aber sie ist einfach so realistisch abbildend) - war verkehrstechnisch über Jahrhunderte isoliert. Der Totenweg nach Westerstede war sehr schlecht befahrbar.

 

Die (alte-originale) Vogteikarte zeigt einen Weg von Halstrup in Richtung Hollwege - zudem auf der Karte in der Linienführung stärker akzentuiert als der Pfad über Liebfrauenbusch und kürzer als der heutige Weg Am Kuhlen in Richtung Halstrup. Nämlich mit durchgehender Linie und parallel dazu gestrichelt. Wie auf der Karte für die Hauptwege üblich. Der Weg von Halstrup durch die Streek-Niederung ist teilweise nur gestrichelt. Die Neuzeichnung der Vogteikarte dagegen mißversteht diese Wegeführung als reine Abgrenzungslinie von Wald zur Heide, Verbuschung. Es gibt hier also nach dieser Karte gar keinen Weg. In dieser Karte ist die Niederungsquerung zum Liebfrauenbusch nur Fußweg, also das Gegenteil eines Totenweges, der einen Wagen voraussetzt. Also nur ein Kirchweg, Kirchpfad. Auch auf dieser Neuzeichnung der Vogteikarte löst sich dieser Fußweg in unklaren Verhältnissen. Kommt nicht in Hollwege an.

 

Dieser Feldweg vom Paradies in Richtung Hollweg abgehend - wenn auch nicht mehr dort ankommend - entlang des Waldrandes gibt zumindest von seiner Struktur her ein anschauliches Bild der schwierigen, tiefen, nassen Bodenverhältnissen des damaligen Totenweges. Während die Felder im kalt-trockenen Frühling 2013 im Umkreis auch trocken wirken, ist in diesem Bereich der Boden tiefgründig, morastig, teilweise mit stehendem Wasser. An den Wegbänken entlang des Feldweges, wenn auch etwas weiter im Wald befindlich, staut sich viel Wasser. Das macht den damaligen Zustandes des Totenweges von Halstrup nach Hollwege, der ein Hohlweg war, nachvollziehbar.

 

Die Hollweger Chronik bringt auf Seite 162 ein Zitat, das belegt dass der Hollweger Kirchpfad und der Totenweg unterschiedliche Linienführungen nahmen: "wird der Kirchpfads oder Leffrouen Busch geheißen, und geht durch den selben der Hollweger Kirchen- oder Fußweg, und der dazu gehörige Fahrweg, aber dieser über Warners Höffte". Die Chronik schließt daraus: "Der Weg für den Totenwagen führte durch den Kuhlen, Brannen, Neegraw nach Halstrup ..."  Spekulativ gefragt: Nahm er wirklich den heutigen Weg Am Kuhlen bis zur Kreuzung Am Paradies? Oder nahm er nicht einen kürzeren Weg? 

 

Im Hössenwald ist noch ein Teil des alten Wegzustandes erkennbar. Das Krankenhausgelände und die Neubausiedlungen haben den Totenweg im Bereich Hössen nun vollständig überbaut und damit verschwinden lassen. Das Brückchen über die Kleine Norderbäcke zeigt ungefähr die ehemalige Linienführung an. Die Strasse "An der Wiek" führt diese bis zur Kuhlenstrasse fort. "Wiek" nimmt die frühere Wegbezeichnung "Hohlwiek" auf, also auch hier Hohlweg.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hollweger Kirchpfad


 

 

 

Ein Rest des Hollweger Kirchpfades ist noch im Liebfrauenbusch vorhanden. Auffällig viele Stechpalmen flankieren den Kirchpfad. Ein Blick auf die tiefgründigen Böden des begleitenden Grünlades eröffnet sich und zeigt die früheren Schwierigkeiten, die Senken diesen Flurbereiches zu durchqueren.  

 

 

 

 

 

 

Pastorenpadd


 

 

 

 

 

Der Pastorenpadd, zerstückelt, der alte Kirchweg von Westerloy über Seggern zur Petri-Kirche. Führt am Pastorengarten vorbei. Der Pastor siegte über die Kirche. Deshalb statt Kirchweg nun Pastorenpadd.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Waldweg Halstrup-Hössenbusch


 

 

 

Der Waldweg scheint eine ältere Wegführung teilweise zu integrieren. Die Wegbänke zeigen eine ältere Herkunft an. Ein Naherholunggebiet, mit Aufforstungen. Oft ist der Weg auch Wegrand, trennt Wiesen, Weiden vom Wald.

 

 

 

 

 

 

 

Heerweg Langebrügge - Apen


 

 

 

 

 

Der Hauptheerweg tangierte das Ammerland, das Kirchspiel Westerstede, auf auffällige Weise von Langebrügge - Gießelhorst - Mansie - Lindern - Winkel - Espern - Apen - Bokel - Holgast - Detern an wichtigen Orten wie Westerstede oder Zwischenahn vorbei. Die Wegführung war an den wenigen Höhenpunkten in der Landschaft orientiert. Je weniger Streeks, Bäken und damit auch die "Forden" - also Furten -  überquert wurden, umso besser. Die lange Brücke bei Langebrügge sucht man vergebens. Strauchwerk wurde früher auf die durchweichten Untergründe der Hohlwegbildung gelegt, um wieder festeren Boden zu erlangen. Das nannte man brücken. Bei Langebrügge war langes Brücken angesagt. Eine echte Brücke, ein Streek, eine Bäke sucht man deshalb vergebens.

 

Der Hauptheerweg führte von Oldenburg über Apen nach Friesland. Die Linienführung ist heute noch recht klar nachvollziehbar. Wenn auch die Qualität der Straßen, der Wege recht unterschiedlich ist. Unbewußt fragt man sich bei der Kreuzung im Fikensolter Feld, warum die von Gießelhorst kommende Straße - alter Hauptheerweg - so auf die Straße von Westerstede nach Bad Zwischenahn einbiegt. Schwieriger ist es zu erkennen, das die Straße Westerstede - Bad Zwischenahn die alte Hauptheerwegführung auftrennt, verdrängt, im Grunde genommen überflüssig gemacht hat. Die Weiterführung in Richtung Mansie erfolgt nun seitlich, nicht mehr in direkter gerader Linie. Von Langebrügge bis zur Kreuzung bei Kuhforde ist der ehemalige Hauptheerweg noch eine viel benutzte Strasse. Ein Gartenbaubetrieb gibt seine Anweisung zur Anlieferung bzw. Abholung auf einem Schild auch in Russisch. Solche überdimensionierte Schilder sind ein neues Markenzeichen der Gartenbaulandschaft des Ammerlandes. Der weiterführende Weg Richtung Mansie ist zunächst dem Bedarf eines Ponyhofes, des ehemaligen Vogelparkes angepasst. Ab der Bewaldung nur noch ein Sandweg.

 

Der Hauptheerweg wurde durch zwei straßenbauliche Maßnahmen entwertet. Der Postweg von Moorburg in Richtung Remels durchs Lengener Moor ab 1735 war der Anstoß von Ende der Bedeutung des Hauptheerweges. Ab 1837 wurde eine feste Chausseestraße von Oldenburg über Zwischenahn und Westerstede, über Hollwege und Moorburg nach Leer gebaut. Das war auch das schnelle Ende des Postweges über Langebrügge - Hüllstede - Burgforde - Felde. Dazu kam ab 1869 die Eisenbahnlinie Oldenburg - Leer mit Beförderung von Mensch und Gut auf der Schiene.

 

Der Hauptheerweg erlebte seinen geschichtlichen Höhepunkt als Linie und Ort eines Gemetzels 1457. Die Friesen, die das Ammerland erfolgreich plünderten, konnten ihre Beute auf dem aufgeweichten Hohlwegprofil beim Seggeford - einer Furt also - nicht nach Friesland übersetzen. Sie blieben mit ihren voll beladenen Wägen mit Plündergut im Schlamm nahezu stecken und das behinderte, besser hinderte einen raschen Abmarsch der Friesen. Genauer die Beute blockierte die Friesen auf dem schmalen Hauptheerweg, hielt sie auf, bis sich die zahlenmäßig geringer aufgestellten Ammerländer sich formieren konnten, sich über die schmalen Kirchpfade an die im Hohlweg mit hohen Wegbänken nahezu eingekesselten Friesen heranwagen konnten. Gefällte Bäume versperrten zudem den Friesen die Weiterfahrt. Der aufgeweichte Untergrund des Heerhohlweges verweigerte den Friesen jede Standhaftigkeit. Das Gedränge, Geschiebe untereinander war bei den Friesen groß, Panik machte sich breit. Das Friesenheer löste sich auf, konnte aber auf dem schmalen, nahezu eingepferchten Hohlraum weder in voller Ordnung vorwärts Richtung Friesland, noch rückwärts, noch seitwärts. Die militärische Ordnung der Friesen war schnell verloren. Der Fluchtgedanke herrschte stampedenartig. Die Beute mußte zurückgelassen werden, ebenso die Waffen. Lanzen waren im Gedränge nicht einsetzbar, nicht wegtransportierbar. Die hohen Wegbänke, also der Dreck, Matsch, Schlamm der im Laufe der Jahre bei Ausbesserungsarbeiten vom Profil der Heerstraße auf die Seite befördert wurde, machten es zudem unmöglich, seitlich zu entkommen. Unebenes Gelände, tiefgründige Heidelandschaft ließen dies ebenso wenig zu. Die Friesen konnten nur entlang des Heerweges in Richtung Friesland fliehen. Und diese beengte, alternativlose Situation führte zur totalen Niederlage der zahlenmäßig überlegenen Friesen.

 

Ab "Kuhforde" ist der Hauptheerweg in Richtung Seggehorn / Mansie schmal, ab dem ehemaligen Vogelpark ein sandiger Weg. Leider ist der Hohlwegcharakter nur noch indirekt erkennbar. An den Wegbänken, die teilweise seitlich des Weges aufgehäuft sind. Auf der Markung von Mansie ist der Heerweg geklinkert und Allee. Die schönen Reetdächer von Mansie verstärken den schnuckeligen ländlichen Charakter (Siehe Westerstede - Orte - Mansie. Das Friesendenkmal erinnert an die Schlacht zwischen Ammerländer und Friesen (siehe Westerstede - Orte - Friesendenkmal). Touristische Schilder kennzeichnen die Wegführung als friesischen Heerweg. Einem kriegerischen. Das macht auch die Waffensymbolik der Beschilderung klar.

  

 

 

 

 

 

 

Smuggelpadd


 

 

 

Das Westersteder Amt, das Apische Amt waren Grenzgebiet in Richtung OstFriesland. Deshalb gab es auf beiden Seiten Zollstationen. Im Winter konnte bei starken Frost das Moor auch mit Wagen überquert werden. Dann erfolgten auch Versuche, ungezollt an den Zollstationen vorbeizukommen. Die oldenburgischen Zollstationen im Westersteder Amt waren in Burgforde, Eggeloge und Hollwege. Später in Moorburg. Mit Smuggelpadds gab es Versuche, die Zollstätte zu umgehen. Damit bestand auch die Gefahr, gesnappt zu werden. Der alte Weg von Hollwege nach Moorburg war so ein Schnappweg bzw. es muss Smuggelpadds um die Zollstätte bei der Ivequerung gegeben haben. Die dann dem Weg den Namen Am Schnapp abfärbten.