Spuren

Spuren und Spurensuche. Spurenlesen. Das war schon mit Karl May Winnetou ein wichtiger Impetus in der Kindheit. So wollte man auch die Landschaft entdecken, verstehen können. Dann in der Jugend Ernst Bloch's Spuren: "Man achte grade auf kleine Dinge, gehe ihnen nach." Oder: "Es ist ein Spurenlesen kreuz und quer ...". Nun wieder aufgemacht um Spuren zu finden, zu lesen. Hier die Schanzen und Landwehren bei Felde und Moorburg. 

 

 

 

 

 

 

 

Felde Landwehr


 

 

 

 

 

 

 

Auf der Vogteikarte von 1791 ist noch eine kurze Landwehr beim Streek / Felde verzeichnet. Witken führte 1722 an, dass diese vier Wälle hatte. An der Brücke über den Streek ist heute außer dem tiefen Graben des Streeks nichts mehr davon zu erkennen. Früher reichte die Landwehr mit ihrer Sperrwirkung in die Heidelandschaft hinein. Heutzutage ein aufgeforsteter Bereich. Die Landwehr liegt also zwischen Ammerländer Dörfer. Zwischen Felde und Burgforde / Wittenheim. Sie ist insofern eine nachgelagerte Sperrbefestigungsanlage, die den schmalen Wegstreifen zwischen der Heidelandschaft bzw. dem Köhlmoor und der Niederung des Streeks sicherte bzw. noch mehr verengte. Ein direktes Umfahren war nicht möglich. Eindringende - also Friesen - aus Richtung Moorburg bzw. Halsbek (Neuenburg) könnten hier gestoppt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Felde Postweg


 

 

 

 

 

Der Postweg nach Friesland / Holland führte seit 1734 durch das Lengener Moor über Moorburg - Kielburg in einer Schleife nach Felde. Man versuchte die Niederung der Ive möglichst zu umgeheben, auf den höheren Standorten. Den längeren Weg nahm man in Kauf. Der Baptisten-Kapelle von 1850 wird wie immer ein kleiner Besuch eingeräumt. Soviel Ehrfurcht muss einfach sein. Auch die von Hollwege auf dem Esch kommende Allee fängt ebenso wie immer den Blick. Insbesonderes bei sonnigen, blauen Himmel. Der Twüschenweg nimmt die alte Wegführung auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Felde Friesenschanze


 

 

 

 

 

 

Die Friesenschanze ist mit vielen Rätseln versehen, sie liegt in einer nahezu zauberhaften extensiv bewirtschafteten Landschaft mit Wald, Verbuschung, Wiesen. Fritz Büsing gibt als Standort den Namen "Hülsenhain" am alten Wehlenweg in Felde an, auf dem Hülsen wachsen. Damit ist wohl die Stech-Palme gemeint, die hier im Strauchgewirr zu finden ist. Carl Baasen bringt eine ausführliche Beschreibung des Festungsgeländes: "Im Wehlen zu Felde befindet sich eine höchst rätselhaft, verfallene Festungsanlage, die unter dem Namen Friesenschanze bekannt ist. Fl.-Nr.: Landwehrbusch. Sehr gut erhalten sind fünf Gräben mit beiderseitigen Wällen, die in einem Punkte zusammenlaufen; daran anstoßend ist eine runde Anlage in den Wiesen nur undeutlich zu erkennen. In dem Gehölze nach der Moorburger Seite sieht man ferner eine gut erhaltene Landwehr, die ursprünglich offenbar bis an den westlichen Ausgang des Ortes Moorburg gereicht hat. Hier ist ein letzter Rest vor zwei Jahren hinter dem Hause des Köters Moorburg abgegraben worden. Diese Schanze diente als Schutz gegen die Ostfriesen ... . Die Schanzen sind zu ihrer Zeit offenbar größere Festungswerke gewesen, das geht daraus hervor, weil das Volk ihnen vielfach die Bezeichung Burg beilegte (Moorburg ...), und weil die Hausleute dafür Holz liefern mußten. Die Schanzen dürften demnach auch eine dauernde Besatzung gehabt haben.

Außer diesen Hauptanlagen gab es auf dem Ammerlande noch eine Reihe Landwehren, bestehend aus Wällen und Laufgräben."

 

In Felde zeigt ein Findling den Weg zur Friesenschanze an, einem Teilweg, der im Wiesenbereich bei der Ive, Große Norderbäke nur noch als Pfad vorhanden ist. Rasch zeigen sich die ersten Reste der Anlage. Die Schanze selbst ist leicht zu übersehen, da kaum einsichtig im Gehölz. Die Frage, die man sich stellt ist die nach dem Sinn der Anlage. Die wenigen Zugänge aus Friesland und ins Ammerland wurden quasi immer an den Engstellen noch weiter verengt, so dass nur wenige schmale, leicht zu verteidigende Durchgänge vorhanden waren. Ein Umgehen, Umfahren wurde durch die Wälle, Gräben, Landwehren verhindert. Vermutlich waren auf den Wällen dichte Hecken und Baumreihen gepflanzt, die ein Durchdringen verunmöglichten.

 

Die Friesenschanze ist vermutlich älteren Datums als die Schanze in Moorburg, die direkt am Moor liegt und damit auch unmittelbar den Zugang ins Ammerland schützt. Die Friesenschanze wird in den Vogteikarten nicht mehr aufgeführt. Sie war demnach bereits früher aufgegeben worden. Ein Weg zwischen Moorburg und Felde ist nicht mehr durchgängig vorhanden. Möglicherweise war die Niederung der Ive (Norderbäke), aber auch der Gemarkungsbereich Wehlen zu unwegig, zu nass, zu tiefgängig, um hier einen Weg aufrechterhalten zu können. Mit der Aufgabe des Weges, damit auch seiner permanenten Pflege, verlor auch die Friesenschanze und die Landwehr ihren originären Sinn. Die Gräben und Wälle machten allerdings eine intensive landwirtschaftliche Nutzung unmöglich. Die Anlage verbuschte. Erst später entfernten Landwirte Teile der Dämme, ebneten Gräben ein, um die landwirtschaftlich nutzbare Fläche hier zu vermehren. Zoller beschreibt in einem Beitrag von 1991 den damaligen Zustand der Friesenschanze als "mehrfache Wall- und Grabenanlage mit eigentlicher Schanze und zwei dran anschließenden Wällen; die parallel zueinander verlaufen. ... Die beiden Parallelwälle im Sünden wurden von dem Besitzer nach dem Zweiten Weltkrieg eingeebnet. Bei den Gräben handelte es sich um Trockengräben." Der ehemalige Verlauf der Landwehrwälle im südlichen Bereich ist deshalb heute nicht mehr erkennbar. Die Landwehrdoppelwälle in nordöstlicher Richtung entlang eines aufgeforsteten Bereiches sind auf einen Wall geschrumpft, der 2013 von Busch- und Baumbesatz jüngst entfernt sich zeigt.

 

 

 

 

 

 

 

Friesenschanze Herbst 2013


 

 

 

 

 

 

 

Moorburg Zum Wehlen


 

 

 

 

 

 

Ein wenig Spürsinn muß man bei der Wegfindung mitbringen. Hier helfen keine Karten und keine Schilder. Die Landschaft mit bemerkbaren Gefälle zur Bäke hin spiegelt quasi die räumliche Marginalität wieder. Also: je weniger genutzt, umso zauberhafter in der Wirkung. Nach Baasen war auf der Moorburger Seite eine umfangreiche Landwehr vorhanden, die bis zum Westen von Moorburg herangereicht hat. Beim Waldrand in Richtung der Ivewiesen sind durchaus imposante Reste davon zu sehen. Wenn die Landwehr bis an den Westen von Moorburg herangereicht hat, dann war sie ein Sperrwerk von enormer Länge und wohl auch Wirkung. Sie reichte also bis in den Lengener Moor hinein und verlief in Richtung des Köhlmoor. Das Ende in dieser Richtung ist allerdings etwas unklar. Aber mit dieser ersten Landwehr konnte man Frieseneinfälle aus Richtung Großsander blocken. Nachdem Moorburg weiter in Richtung des Moores mit Landgewinnung voran entwickelt wurde konnte man mit der dortigen Schanze und Landwehr eine vorgeschobenene, aber auch kürzere Sperranlage errichten.

 

In der Niederung der Ive / Norderbäke ist ein schmaler Trampelpfad in die Wiesen erkennbar. Bei Feuchtigkeit und höherem Gras wohl kaum begehbar. Im Gegensatz zur Ausnahmekälte im April 2013. Den Weg kennen und nutzen wohl nur Einheimische. Die kaum sichtbare Wegführung in Gemarkungsbereich Wehlen auf Moorburger Seite, aber auch auf Felder Seite verhindert einen größeren Besuchsandrang. Das für Ammerländer Verhältnis deutliche Gefälle des Wehlen bildet ein sehr interessantes Landschaftsbild mit extensiver Landbewirtschaftung. Mit der Schanze und Landwehr direkt im Moor und vor Moorburg verlor die Landwehr im Wehlen und die Friesenschanze mit Landwehr in der Ive-Aue ihre Bedeutung und wurde wohl auch aufgegeben und verfiel. Landwirte haben dann immer mehr zur Landgewinnung die Wälle und Gräben der Landwehr durchbrochen bzw. entfernt.

  

 

Im März 2015 besuchte ich erneut den Wehlen und die Friesenschanze:

http://www.panoramio.com/photo/117554826

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

Moorburg Postweg Schanze


 

 

 

 

 

Der Postweg führt im weiten Bogen über Kielburg nach Felde, auf den höheren Lagen, damit die Wege trocken blieben. Am äußersten Rand von Moorburg, direkt am Moor, war eine Schanze mit Landwehr, die weit ins Moor hineinreichte, um ein Umgehen der Schanze nicht zu erlauben. Heutzutage scheinen die Moorburger die Tradition der Schanze, des Schanzen, weiter zu führen mit aufgefüllten Hügeln, Erdhaufen. Auch der Weg "Am Wall" scheint in diese Tradition zu passen. Auf der Vogteikarte von 1791 ist die Lage der Landwehr auf der Höhe eines kleinen Streeks zu finden. Leider findet die (erste) Spurensuche hier keine genauere Ergebnisse vor.