Sichtachsen - Sichtbeziehungen - Thalenweide - Gartenstraße

Im Zusammenhang mit dem Abriß des ehemaligen Kaufhaus Nienaber werden planerische Absichten kund, in Westerstede Sichtachsen herzustellen. Also Sichtbeziehungen zwischen verschiedenen Punkten, seien es Gebäude, Räume, Landschaftsbilder, solitäre Erscheinungen, herzustellen. Sichtachsen, Sichtbeziehungen sind auch Verweise auf etwas. Meistens auf etwas Bedeutendes, auf etwas mit Bedeutung. Auf Hervorragendes, auf Herausragendes. Man kennt es aus Filmen wie dem da Vinci Code, dass da auf einmal im Stadtbild sich Zusammenhänge, Linien herstellen lassen, die man vorher, als man den Code nicht kannte, nicht gesehen hatte. Im Barock wurden in der Städteplanung Sichtachsen genutzt, um herrschaftliche Orte hervorzuheben. Die Wilhelmshöher Allee in Kassel mit zentralperspektivischem Blick auf Schloß, Berglandschaftspark und ganz oben den Herkules. Auch in der Gestaltung von Landschaftsgärten räumte man trotz aller englischer Gartengestaltung Sichtachsen, meistens auf einen Point de vue gerichtet, Raum ein. Westerstede ist allerdings fern davon, ein herrschaftlich hervorragend geprägter Ort sein. Es reichte nur zu einem Amtssitz. Wenn auch ganz genau genommen, historisch gesehen, der Amtssitz des Amtsmannes nicht in Westerstede, sondern bei Burgforde war, im Wittenheimer Amtssitz. Der Brand von 1815 gab Gelegenheit, den Raum Westerstedes, die Raumbeziehungen in Westerstede neu zu ordnen. Von der alten eher wilden Bebauung zu Baufluchten zu kommen. Die lange Straße hat allerdings auch heute noch Krümmungen. Keinen direkten Durchblick zum Marktplatz. Die Petri-Kirche war von altersher ein Höhepunkt im Westersteder Gemeinderaum, wenn auch ohne auffällige Sichtachsen. Kirchen erhoben sich aus dem umgebenden Stadtgebilde, das ungeordnet erschien, heraus, waren aber bis auf den Kirchturm, das Kirchendach, in der Gebäudlichkeit vom Gläubigen erst unmittelbar direkt vor der Kirche stehend zu sehen und überwältigten den Gläubigen mit der hohen Massigkeit. Der Wasserturm von 1933, vor den Nazis geplant, von diesen aber eingeweiht und mit schmiedeeisernen Hakenkreuzen versehen - heute nicht mehr sichtbar, das Gebäude selbst wirkt wie ein Nachhall der Bauhausmoderne und damit NS-Architekturvorstellungen fern - in der Thalenweide schaffte neue Blickbeziehungen und auch erstmals Sichtachsen. Die eindeutigste in Richtung der Gartenstraße, durch eine kleine Baumallee hervorgehoben. Die heutige Länge der Gartenstraße verlängert diese Sichtachse in Richtung der Einmündung der Straße nach Ocholt. Ein herausragender Ort wird dadurch nicht gekennzeichnet. Der heute als Wohnhaus umgebaute Wasserturm verdeutlicht allerdings den Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933, auch wenn er in Westerstede schon 1931 angefangen hat. Er markiert die enorme Bautätigkeit der NS-Zeit in Westerstede, mit dem SA-Schulungsgelände in den Hössen, in einigen Wohngebieten. Allerdings steht der ehemalige Wasserturm etwas exzentrisch zur Sichtachse in die kleine Baumallee zur Thalenweide. Der Blick durch die Gartenstraße in Richtung des Wasserturms finden flankierende Höhenpunkte. Den Funkturm beim ehemaligen EWE-Gebäude und seit einigen Jahren den modernen Kirchturm der katholischen Gemeinde. Durch planerische Gestaltung der Thalenweide gibt es von der Kuhlenstraße aus eine kurze Sichtachse in Richtung des Wasserturmes. Im weiteren Hintergrund - und etwas daneben - auch den Fernblick zum Kirchturm St. Petri. 

Gartenstraße - Thalenweide

 

 

Kuhlenstraße - Thalenweide - Wasserturm