Kleine Norderbäke - Bilder der Kleinlandschaft


Hermann Ries widmet in seiner Chronik der Gemeinde Westerstede von 1973 dem früheren vielfältigen Erscheinungsbild der Bäken, der Tierwelt darin und den begleitenden Pflanzenwelt seine Beschreibungskunst. Man merkt diesem Landschafts- und Kulturliebhaber an, welchem Verlust die heutigen Bäken in ihrer Geradlinigkeit unterliegen. Zumal die Fische, darunter auch Lachse, auch durch die Umweltverschmutzung, die Verschlechterung der Wasserqualität in ihrem Bestand litten bzw. vollständig eingingen und verschwanden:


"Als sich noch Lachse in unseren Bäken tummelten


So brachte die fortschreitende Technik viel Licht und Annehmlichkeit in die Häuser, aber es bewahrheitete sich auch das Goethe-Wort „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten". Die Segnungen der Zivilisation mußten erkauft werden mit einer Vertreibung aus dem Paradiese der Natur. Damals freilich, in den letzten Jahrzehnten des 19. und im ersten des 20. Jahrhunderts, merkte man noch wenig von den Problemen der Naturverödung und Umweltverschmutzung, die uns heute so stark beschäftigen. Damals war die Natur noch relativ heil und gesund, und wir lebten noch in einer paradiesischen Landschaft. Wie anders sahen damals beispielsweise unsere Gewässer aus, um wieviel reiner war ihr Wasser, wieviel reicher ihre Tier- und Pflanzenwelt als heute! Was waren die Bäken der Gemeinde, insbesondere die Große und die Kleine Norderbäke, die Große Süderbäke, die Gießelhorster Bäke und die 0llen, früher doch für herrliche Jugendparadiese! Aus diesen Bäken und ihren winzigen Nebenflüßchen, „Streeks" genannt, wurden die „Stäkelstangs" (Stichlinge) gefischt für das Aquarium und mit Hilfe von Drainageröhren die köstlichen Quappen gefangen. Hier wurde Jagd gemacht auf den wehrhaften Hecht, und der glatte Aal aus seiner Schlammtiefe gezogen. Aber auch tierisches Kleinvolk, Wasserkäfer aller Art und der Wasserskorpion, der so tüchtig kneifen konnte und daher „Jan mit'n Biel" getauft wurde, waren eine beliebte Beute der fischenden Jungs. Und welche landschaftliche Augenweide waren diese Bäken und Tiefen, wenn der schwimmende Hahnenfuß blühte, die Wasserprimel, die gelbe Teichrose oder gar die traumhaft schöne Nymphea, die weiße Seerose!


Ein geradezu unerhörtes Erlebnis aber war es, wenn einmal im Herbst ein laichender Lachs erbeutet wurde. Es muß in den Ohren unserer jüngeren Generation wie Fischerlatein klingen, wenn man berichtet, daß noch im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts der Lachsfang in der Süderbäke und der Kleinen Norderbäke keine Seltenheit war."
(Seite 270 / 271)


Die Begradigung der Bäken wurde schon ab 1870 begonnen. Überschwemmungen sorgten dafür, dass die Bäken zu Kanälen ausgebaut wurden, anstatt Überschwemmungsflächen einzurichten.



  


Kleine Norderbäke Burg Wittenheim