Feld-Siedlungen

 

 

 

 

Der Siedlungstyp der heutigen Feldsiedlungen, also Einzelgehöfte entlang der Wege ohne dörfliche Verdichtung, das heute das Landschaftsbild bestimmt, täuscht hinweg, dass bis 1800 die Gewannsiedlung der Eschbauern der überwiegende Siedlungstyp war. Die Kamp-Siedlungen waren nur punktuell in der Landschaft vorhanden. Die Feld-Siedlungen scheinen uns heutzutage die Siedlungsweise in Norddeutschland zu sein. Aber der Schein trügt, wenn es auch schöner Schein ist, den eine Feldsiedlung aufwirft. Begleitet von Weiden, Baumstreifen, Ackerland, Pferdegestüte, geometrisch ausgerichteter Gartenbaulandschaft, Bebauung in Streuweise. Die pittoreske Alleenlandschaft täuscht uns allerdings. Sie ist das Ergebnis einer “planvollen” Erschließung von Markungsland nach 1800. Die staatliche Verwaltung eröffnete den generellen Zugriff auf Heideland, das vorher in dörflicher Gemeinnutzung war. Und damit unter der Vorherrschaft der Hausleute.

 

Die Vogteikarte von 1790 zeigt noch keine Wege hier an. Hier ist das Westersteder Feld noch Heidelandschaft. Die Aufteilung der Markung ermöglichte die Erschließung und Umwandlung zur Ackerbaulandschaft, heute vielfach auch Landschaftsbau(m)kulturen. Der Zusatz “Feld” kennzeichnet diese spätere Erschließung: Westerstederfeld, Westerloyerfeld, Hollwegerfeld, Felderfeld. Zunächst wurde das zugeteilte Stück Landschaft entwässert und mit einem Wall umgeben. An der Geradliniegkeit dieser Wälle sind sie von den älteren Wällen unterscheidbar, die durchaus Kurven aufweisen. Aber erst mit dem Einsatz von Dünger, ab 1850 aufkommend, konnten die zunächst stark wirkenden Standortnachteile, aufgewogen werden und die Anbauern, so wurden die Landerschließer neben den Hausleuten und Kötern genannt, entwickelten sich vielfach zu Großbauern. Erstellten neben den ursprünglich gebauten Häusern große Stallungen, Scheunen. Ziegelsteinbauweise herrscht vor. Reetdächer kommen kaum vor. Der Jahrhunderte alte soziale Gegensatz im Dorf zwischen Hausleuten und Kötern wurde aufgehoben.  

 

 

Westerstederfeld 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Westerstederfeld


 

 

 

 

 

 

 

Westerstederfeld II 2014


 

 

 

 

 

 

 

Hollwegerfeld

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hollwegerfeld scheint die Antithese zur These zu sein, dass die Feldsiedlungen ab 1800 entstanden sind. Hollwegerfeld weist als Ursprung der Erschließung auf das Jahr 1661 hin. Über den Weg Schnapp, eine Verbindung Richtung Ostfriesland durchs weite Moor, wurde Moorburg erschlossen. Die Vogteikarte zeigt eine erstaunliche Menge von Kamperschließungen in Richtung Moorburg auf. Aus der Kamperschließung wurde später die Felderschließung ehemaligen Moorgeländes. In der Hollweger Chronik wird eine Vielzahl von Konflikten der Hollweger Hausmänner, der Pferdebauern die Ackerland und das Sagen im Dorf hatten, mit den Oldenburger Amtsmännern verzeichnet. Da diese Allmendeland, auf dem die Hausmänner gebieterisch Anspruch nahmen, an nicht erbberechtigte Bauernsöhne vergaben. Als Kamperschließung. Die Hollweger waren echte Pioniere von Moorland. Pioniere der Meliorationen. Der Urbarmachung. Deshalb trägt Hollwegerfeld als Erstnennung das Datum 1661. Geht man nach den Vogteikarten, lag das Hollweger Feld allerdings in Richtung Westen. Man findet auch hier heute eine Ackerlandschaft, die wie eine Felderschließung aussieht. Auf der Vogteikarte ist hier eine dicht zusammengewachsene Kamperschließung zu sehen. Aus vielen Kämpen, die nach und nach vergrößert wurde, erwuchs eine neue Bauernlandschaft, die schwer von einer Felderschließung zu unterscheiden ist.

Fährt man vom Hollwegerfeld weiter in Richtung der Fehnerschließung findet man Ackerflächen, die immer noch schwer durchfeuchtet sind. Ein Beflügen im Herbst war wohl aufgrund der Feuchte des Bodens nicht möglich. Eine Ackerfläche wurde nun sogar mit Drainagegräben durchfurcht, um der Nässe beizukommen. 

 

 

 

 

 

 

 

Hollwegerfeld


 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

Westerloyerfeld