An- und Einsichten Stadtbild Westerstede

 

 

 

 

 

St. Petri Kirche Westerstede


 

 

 

 

 

Der Kirchturm mächtig, nahezu trutzig, wuchtig, mit vier markanten Eckertürmchen, der Glockenturm schief. Das Kirchspiel räumte dem Dorf Westerstede immer mehr wachsende zentrale Bedeutungen zu. Der Aufstieg zur Kleinstadt war über die Jahrhunderte erkennbar. Im Kirchenschiff, vor dem Chor, der Kirchenstuhl der von Seggern, früher über eine Außentreppe an der Kirchenwand erreichbar. Ein adliger Herrensitz in der Kirche. Die Reformation von oben, in Oldenburg, damit auch im Ammerland, führte zu einer "strengen Kirchenzucht". Sünder wurden an der Kirchenaußenwand angebunden den braven Kirchgängern zur Schau gestellt. Ein Betrachter der Kirche erkannt noch die Befestigungsstellen der Ketten: "An der Südseite der Kirche sind noch heute die eisernen Krampen vorhanden, an denen die Kette des Halseisens befestigt war." (Fritz Büsing, Westerstede - damals und heute, S. 78) Im benachbarten Remels, sind an der Kirchenaußenwand noch Krampen, Kette, Halseisenvorhanden. Siehe: Remels . Ein fast intakter Pranger. 

 

 

 

Krampen an Kirchenaußenwand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebäude aus NS-Zeit


 

 

 

 

 

 

Westerstede weist erhebliche Spuren nationalsozialistischer Bauten und Bauweise auf. Wenngleich im Bereich Hössen wegen der Neubauten für die Krankenhäuser viel der nationalsozialistischen Bauweise abgerissen wurde. Also auch hier kein tausendjähriges Verbleiben von Bauresten, sondern teilweise schneller Abriss schon nach wenigen Jahrzehnten. Die Sparkasse am Marktplatz sowie die Volksbank in der Peterstrasse wurden ebenfalls nach 1933 erbaut, sind aber inzwischen durch Neugestaltungen innen und außen überformt. Im Vergleich zu anderen Kleinstädten hat Westerstede durch viele Bauten in der NS-Zeit von dieser "profitiert".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Röttgen-Siedlung ab 1936


 

 

 

 

 

Ab 1936 wurde der Röttgen verkoppelt, also quasi für eine Bebauung flurbereinigt. Die NS-Bauweise ist an einigen Gebäuden deutlich erkennbar.

 

                                               

 

 

 

 

 

 

 

Hochkamp Siedlung 1938


 

 

 

 Eine weitere Siedlung mit nationalsozialistischem Planungs-"Einfluss" wurde auf "arisierten" Weiden des Viehhändlers Karl Polak im Hochkamp Richtung Thalenbusch angelegt.

 

Ich erhielt zu meiner Bildauswahl vom Hochkamp per E-Mail diesen Einwand:

"Allerdings muten mich Ihre Bilder vom Hochkamp unendlich fremd an. Haben Sie bedacht, das mit dem Hochkamp zunächst die Siedlung Richtung Thalenbusch benannt war? ... Erst als auf den früheren Weiden am Ellernweg gebaut wurde, änderte sich die Benennung. Aus dem früheren Hochkamp wurde der Grasbrook."

 

Mir standen als Information die Hinweise von Hermann Ries in seiner Chronik der Gemeinde Westerstede zur Verfügung. Er schreibt: "Eine der Polakschen Weiden auf dem Hochkamp in der Nähe von Thalen Busch wurde in Wohnplätze aufgeteilt. Eine etwas gewundene Straße wurde durch das Baugelände gelegt und die etwa 2,7 Hektor große Weide in 19 Bauplätze geteilt. Im Frühjahr 1938 begann man mit dem Bau der Wohnungen. Die Siedler halfen sich in vorbildlicher Weise gegenseitig bei den Erdarbeiten. So wuchs in kurzer Zeit ein neues Wohngebiet heran. Schon Ende des Jahres 1938 war die Siedlung Hochkamp voll bebaut. Mit den bereits vorhandenen Wohnungen am Mühlenweg umfaßte die Siedlung 23 Wohnhäuser." (S. 313)

 

Ich hatte allerdings weniger Häuser vom Grasbrook abgebildet. Das soll nun nachgeholt werden.

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

Thalenweide


 

 

 

 

 

Seinem langen dörflichen Charakter entsprechend weist Westerstede im Innern des Kernbereiches keine besondere urbane Verdichtung auf. Die Thalenweide, entlehnt der früheren landwirtschaftlichen Nutzung, ist nun ein Stadtpark, in dem aber nur wenige verweilen. Durcheilen scheint die Parole zu heißen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jaspers-Hof


 

 

 

 

 

Ein prächtiger Bauernhof, fast wie von Bauernadel. Noch scheint die Stadt Westerstede mit diesem Erbe nichts besonderes anfangen zu können. Man sondiert noch die Konzepte. Auf dem vermachten Jasperskamp schneiden sich die Neubauten die Grundstücke heraus. Die Stadt profitiert davon.

 

 

  

 

 

Hössen - Hössenbusch


 

 

 

 

 

 

 

Das Neubaugebiet, das Kolja Mensing, essayhaft in seinen neuen kleinstädtischen suburbanen Gegebenheiten und soziologischen Zusammenhängen und Wirkungen beschreibt. Viel zu wenig in der Wissenschaft beachtet. Von der wunderschönen Lindenallee durchquert.

 

 

 

 

 

 

Hüllst. Feld Heidkamp Siedlung


 

 

 

 

 

Ein Neubaugebiet, von fast überbordender Größe und Flächenausweitung. Auch heute noch wird in der Tannenloge kräftig Häusle gebaut. Mehrgeschossige Mietsgebäude mit minimierter Nutzung der umliegenden Flächen stehen einem Meer von Einfamilienhäusern gegenüber.

 

 

 

 

 

 

 

Am Esch


 

 

 

 

 

 

 

Ein Mischgebiet, Wohnbesiedlung mit Siedlungscharakter, Gewerbe, Einkaufszentrum, Dienstleistung, Service-Zentrum, Friedhof. Im Hintergrund Autobahn und höhendominantes Stapelregallager.

 

 

 

 

 

 

 

 

Kl. Norderbäke-Halstrup


 

 

 

 

 

 

 

 

Auch hier ein riesiges Neubaugebiet unterschiedlicher Bau- und Stilarten. An der Autobahn die Bauten der ehemaligen Neuen Heimat. Ein etwas wenig im Straßenraum gepflegtes Quartier der mehrgeschossigen Mietsgebäude findet sich in der Eberhard-Ries-Strasse. Die Azaleenstraße führt überdimensioniert breit zum Halstruper Esch. Die Wegführungen sind hier planerisch auf dem Entwurfstisch entstanden, wenig an der Charakteristik einer Straße orientiert. Eher beliebige Resteverwertung. Geht man hier nachts mal spazieren, gerät in die Nebenwege, ist man froh, wenn man irgendwo auch wieder herauskommt.

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1815-1840-2006 Marktplatz


 

 

 

 

 

 

 

Die sehr versteckt hinter dem Rathaus, am neuen Marktplatz angebrachten historischen Modelle zeigen die Draufsicht Westerstedes von 1815, 1840 und 2006. 1815 ist Westerstede noch ein Dorf, das eine Kirche und ein Kirchspiel hatte, also einen Gemeindebezirk. Der Marktplatz war reduziert auf einen schmalen Brink. Die Wege zur Kirchwege mussten mit den Misthaufen der leicht ungeordneten wirkenden Bebauung rechnen. Im Modell von 1840 ist der planmäßig angelegte Marktplatz und die Fluchtlinienstruktur der Peterstrasse erkennbar. Das Modell von 2006 zeigt die zugenommene Bebauung, aber auch noch die großen innerstädtischen Leeren. Schade, dass in den Modellen nicht auch die Zeit und die Stadtbereiche abgebildet werden, in der sich Westerstede von einem Dorf zu einer Kleinstadt entwickelte. Der Standort der Modelle, die Gestaltung sowie das Kunstwerk von Georg Schmidt-Westerstede an der Rathausrückwand ergeben ein seltsames Ensemble, dass wegen seiner unübersichtlichen Seltsamkeit kaum bis gar nicht beachtet wird. Da muss man schon richtig darüber stolpern, was aufgrund der einfallslosen Gestaltung der Kunst-Kleinanlage nicht unwahrscheinlich ist. Sofern man an diesem Bereich vorbeiläuft. Statt die Aufforderung "Verweile hier", "Beachte mich", "Betrachte mich" sendet das Design der Kunst-Kleinanlage das Signal des Desinteresses aus. Kunst darf ja auch Stören, Verstören. Aber wenn der Kunstort, seine Gestaltung, die Nichtbeachtung produziert, kann die Kunst im Kleinstadtraum nicht wirken. Nicht das Interesse von Einwohnern und Touristen erwecken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Marktplatz Fußgängerzone


 

 

 

 

 

Der Marktplatz von Westerstede, vielmehr der nun alte Marktplatz, ist gar nicht so alt. Jahrhundertelang bestand nur ein schmaler Brink mit uneinheitlicher Bebauung, wie durcheinander gewürfelt standen die Häuser, Anbauten. Misthaufen überall. Die Kirchgänger mußten auch noch in Westerstede selbst "Kirchwege" zur Kirche suchen. Der große Brand schaffte Raum. Raum für die Pläne von Negeleins, Westerstede Fluchtlinien zu verpassen, und einen groß angelegten Marktplatz. Die Peterstrasse ist ein Resultat dieser forschen Amtsmanninitiative. Diese auch, um in Westerstede mehr Gewerbe als bisher anzusiedlen. Das gelang. Negeleins Plan von Westerstede war doch ein dörflicher, nicht auf die heutige Kleinstadt Westerstede abzielend. Diese gab sich hinter dem Rathaus einen neuen Marktplatz. Das führt nun zur Leere vor dem Rathaus, hinter dem Rathaus. Westerstedes Innere ist eher Vordergrund. Dahinter ist Platz, meistens Parkplatz, mit leider ungeordnetem Erscheinungsbild, glücklicherweise auch die Thalenweide, als Kleinstadtpark.

 

 

 

 

  

 

 

 

 

Peter - / Wilh.-Geiler-Strasse


 

 

 

 

  

 

 

Die Wilhelm-Strasse wurde erst später Geiler, zur Wilhelm-Geiler-Strasse. Erinnerung an den Westersteder Heimatpoeten und Schmalspurbahndirektor Wilhelm Geiler. Zunächst nahm man bei der Strassenbenennung nach ihm nur seinen Vornamen, nach alter einheimischer Sitte, dann folgte später auch der Nachnamen. Die Schmalspurbahn fuhr noch in dieser Strasse in Westerstede ein, bis zum Gasthof zur Linde. Die Strasse wirkt mit Polizei, Amtsgericht, Katasteramt, Nebengebäuden des Kreishauses immer noch als Verbindungslinie in einem Behördenviertel, das sich vor dem "Stadtkern" aufbaute. 2012 wurde leider auch die Wirtschaft Amtskrug flach gemacht. Die Fassade der Peter-Apotheke verspricht baulich mehr als Westerstede dann hält. Zuviel Bausubstanz der Gründerzeit, die ja durchaus bescheiden vorhanden war, wurde dem Baufortschritt geopfert. Man trauert den alten Ansichten nach. Die Kurzstrecke der Peterstrasse läßt ebenfalls alte architektonische Ensemblewirkungen missen.

 

 

 

 

 

Kuhlenstrasse


 

 

 

 

 

 

Die Kuhlenstrasse ist bei der Mündung zur Langen Strasse noch verlängertes Geschäftszentrum. Das nun leere Kaufhaus - vorher ein supergroßer Spielwarenladen - beeindruckt durch Fassade und Umfang. Einige Köterhäuser garnieren noch Ländlichkeit, die beim Kreisel aber dem Flächencharaker eines Einkaufzentrums weicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grüne -, Garten- u Poststrasse


 

 

 

 

 

Hier lösen sich unterschiedliche Architekturzeiten und Baustile ab. Das Gymnasium ist wie eine Burg in dieses Viertel hinein gebaut. Die Schließerei, ein Kleingefängnis, wurde schnell zu schmal. Beim Tatendrang der Ammerländer. Einiger Ammerländer. Hermann Ries beschreibt in seiner Heimatchronik, für welche Kleinigkeiten, Bagatellen man körperlich gezüchtigt wurde. Auch noch 1828. Die katholische Herz-Jesu Kirche hat sich hier in den 1950er Jahren hier angesiedelt. Etwas versteckt. Da ohne herausragenden Kirchturm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bahnhof-Viertel


 

 

 

 

 

Heute ein Viertel der Rechtsanwälte, der Immobilienvermarktung. Ein Viertel das vom neuen Fortschritt zeugt, der durch die Bahn in den ländlichen Raum kam. Wenn auch zunächst nach Westerstede auf schmalen Spuren. Schön die Bezeichnung Advokatenhus. Funktion und Region.  

 

 

 

 

 

 

 

Gärtnerei-Brache


 

 

 

 

 

Dem bauhungrigen Westerstede bietet die innenstadtnahe Gärtnerei-Brache neue Möglichkeiten für ein Baugebiet. Etwas skeptisch mustert man die Planentwürfe. Wenn Planer eine Plazza versprechen, auf der kommuniziert werden soll. Die menschliche Kommunikation folgt selten den planerischen Gedanken und Versprechen. Ob die Böden der Brache durch die gärtnerische Orchideenzucht vorbelastet sind? Inzwischen schreitet die Demontage der großflächigen Gärtnerei voran. Neue Stadtsichten eröffnen sich. Mai 2014 fangen Bauarbeiten im Gelände an. Wasserflächen zeigen sich.