Chaussestraßen - Steinstraßen - Klinkerstraßen - Damm

 

 

 

 

 

 

 

Die Straßen und Wege im Ammerland waren über die Jahrhunderte hinweg an vielen Stellen in einem sehr schlechten, in einem schwierigen Zustand. Niederungen, die Überquerungen von Streeks und Bäken, der Hohlwegcharakter der damaligen Wegebautechnik führten zu vielen Straßenstellen, die unter Wasser standen. Die Straßen waren aufgeweicht, schlammig und hatte keine eigene Entwässerung, keine Entwässerungsgräben. Der alte Postweg über Kielburg zeigt, dass man versuchte geländetiefe Stellen in der Landschaft zu meiden. Die Wegführung war also auf die Topographie abgestimmt. Das Ammerland hat ja einen Höhenunterschied von 0 Meter an der tiefsten Stelle und bis zu 19 m Höhe bei Hoheliet. Diese geringen Unterschiede waren dennoch für die Wegführung alter Verkehrsverbindungen entscheidend. Das Aper Tief mit seinen häufigen Überschwemmungen des alten Heeresweges zwischen Oldenburg und Leer war ja auch entscheidend, dass der Postweg dann eine andere Linie nahm, den durch das Moor zwischen Moorburg und Großsander.

 

Die hochgelegten “Chaussee”straßen, als erste die von Bremen nach Oldenburg, kamen zunächst auf. Ab 1837 wurde die “Steinstraße” von Oldenburg über Zwischenahn, Westerstede, Hollwege / Moorburg gebaut. Dann folgten die "wichtigen" Verbindungsstrecken zwischen den Kirchspielen / Gemeinden. Also z. B. die Straße von Westerstede nach Apen, die Straße von Westerstede nach Grabstederfeld. Die Klinkerstraßen, heute oft in einem sehr schlechten Zustand, sind von ihrer Entstehung her gesehen recht jung. Sie wurden früher von den “kleinen” Bauern, den Kötern, im Tagelohn gebaut. Geliefert wurden die Klinkersteine aus Bockhorn.

 

Zunächst kamen bei den neuen Kunststraßen Natursteine, also Feldsteine, sehr unregelmäßige in den Verbau. In Bad Zwischenahn am Brink ist noch ein derartiger Feldsteinverbau zu sehen. Auch in Oldenburg existieren noch derartige historische Straßenbauweisen, wie in der Hochhauser Strasse. Auch bei privaten Hofeinfahrten ist der Natursteineinsatz heute noch zu bewundern. Dann folgte der Verbau von regelmäßigen Pflastersteinen, wohl aus Basalt. Erst später folgte der Verbau von genormten Klinkersteinen. Und das verschaffte den Bockhornern "Klinkersteinkapitalisten" eine gute Geschäftslage. Kein Wunder dass der Bockhorner Unternehmer Lauw besonders intensive Verbindungen zu den Verwaltungen unterhielt. Da waren beste Geschäfte zu machen. Mit lokalem, regionalem Extraprofit. Auf Bildern ist auch zu sehen, dass der Hauptteil der neuen Kunststraßen mit Klinkersteinen belegt ist, die verbreiterten Außenseiten mit Natursteinen, allerdings sehr unterschiedlich formatig, damit nur sehr holperig. Also gibt hier die Außengestaltung mit Feldsteinen die ältere, ursprüngliche Pflasterung, die mit Klinkersteinen die wesentlich jüngere an. Möglicherweise wurde diese "Außenbahn" auch erst später an einigen Stellen angefügt als Erweiterung, Verbreiterung. Genaueres historisches Fotostudium der Strecke wäre notwendig. So ist auf einem Foto zu sehen, wie in Moorburg das Basaltpflaster in der Friesenstraße (frühere Reichsstraße 75) mit einer Asphaltschicht überdeckt wurde. Auf älteren Fotos ist oft eine Mischform in der Pflasterung zu erkennen, der Mittelbereich aus regelmäßigem Basaltpflaster, die Randbereiche mit unregelmäßigen Feldsteinen. In "Hollwege - Geschichte eines Eschdorfes im Ammerland" werden dazu einige wichtige Details mitgeteilt. Abschnittsweise über mehrere Jahre wurde der neue Straßenkörper der "Grantchaussee" von Hollwege bis Moorburg fertiggestellt. Von 1818 - 1822. Allerdings zunächst als Sandstraße. Als sich dieser Aufbau gesetzt, verdichtet hatte, ging man an die Pflasterung, allerdings nur teilweise, nicht vollständig. Einige Bereiche erhielten Kopfsteinpflaster (wohl aus Basalt), ansonsten wurde ein Feldsteinpflaster, also sehr unregelmäßige Steine, gesetzt. Das erklärt das auf alten Photos erkennbare Mischsysteme unterschiedlicher Pflasterungen.  

 

Geklinkerte Dorfverbindungswege wurden erst nach 1900 errichtet. Zunächst wurden die innerörtlichen Dorfstraßen gepflastert. Vielfach tragen diese neuen “Kunststraßen” mit der völligen Abkehr der früheren “Hohlweg”bildung den Namen “Damm”, obgleich sie nahezu höhengleich zuden umliegenden Landwirtschaftsflächen sind. Die modernen “Kunst”Straßen sind eine radikale Änderung des früheren Straßenbaus. Sie haben nun an den Seiten Entwässerungsgräben, die in die Bäken und Streeks entwässern, statt wie früher selbst der Entwässerung zu dienen, was dazu führte, dass die Straßen an vielen Stellen unter Wasser standen. Man sprach/schrieb deshalb früher von “gestrichenen” Straßen, also von einer Strieken Straat, wie in Apen, heute Streichenstraße. 

 

Bei der Howieker Mühle und in Grabstede wird mit Schildern und Fotos auf die Geschichte der Klinkerstraßen eingegangen.

 

 

 

Klinkerstraßen


 

 

 

 

 

Bad Zwischenahn hat auf dem Brink noch ein sehr anschauliches Stück einer (Feld)Steinstrasse. Leider inzwischen von glattoberflächiger Pflasterung unterbrochen. In Westerloy ist noch ein spärlicher Rest einer Feldsteinstraße zu beschauen. Diese Art der Bodendeckung findet sich ansonsten vor allem auf privaten Grundstücken. 

 

 

 

 

Feldsteinstraßen


 

 

 

 

 

 

 

Beim Bahnhof Eggeloge ist noch vollständig eine alte Pflastersteinstrasse vorhanden. Ansonsten dominiert im Ammerland der Klinkerstein. 

 

 

 

 

 

 

 

Pflastersteinstrassen


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meilen- / 5km-Steine


 

 

 

 

 

 

Die erste Steinstraße im Ammerland wurde 1837 - 1843 von Oldenburg über Zwischenahn, Westerstede, Moorburg in Richtung Ostfriesland gebaut und ersetzte die alte Poststraße über Langenbrügge, Felde, Kielburg nach Moorburg. Nach 1821 wurden die wichtigen Straßen im Oldenburger Herzogtum mit Meilensteine markiert. Ab 1874 wurden die Meilensteine als 5-Km-Steine aufgestellt. Nullpunkt für die wichtigen Straßen war der Oldenburger Schloßturm. Weniger bedeutende nahmen als Nullpunkt z. B. den Westersteder Kirchturm für die Straße Westerstede - Bockhorn (Siehe Hinweistafel Grabstede). Kilometer-Steine finden sich z. B. zwischen Halstrup und Hollwege, am Ortsende Westerstede in Richtung Apen, bei Klampen-Apen, bei Linswege, bei Moorwinkelsdamm, in Grabstede, in Rostrup (Haltestelle Siedlung).

 

Viele Informationen zu den Meilensteinen/Kilometersteinen sowie eine Übersicht über die Position der noch vorhandenen Steine findet sich auf:

http://www.360-270.de/oldenburger-land/meilensteine-im-oldenburger-land-2-2/

 

 

 

 

Ringelmanndamm


 

 

Wer hier im Nordwesten auf einen Damm stößt, vermisst den Charakter eines Dammes, erhöht gegenüber den umgebenden Flächen zu sein. Die Abkehr von der früheren Straßenbauweise des Hohlweges zu den heutigen Kunststraßen wurde als Damm bezeichnet, auch wenn sich die neue Straße topographisch kaum von Acker-, Weideflächen links und rechts in der Höhendifferenz unterschied. Der Herr von Ringelmann hatte außer Besitzer des Schlosses Fikensolt zu sein, wohl keinen bleibenden Schaden angerichtet.

 

 

 

 

 

Am Damm Richtung Apen


 

 

 

Die Straße von Westerstede nach Apen. Auch hier ein Damm, der eine Straße ist. Schöne Allee. Früher ging der Hauptverkehr jahrhundertelang an Westerstede vorbei. Die alte Heerstraße führte über Mansie - Winkel - Espern nach Apen. Die Poststraße über Moorburg durchs Lengener Moor in Richtung Remels ab 1735 und der Neubau der Strasse über Westerstede - Hollwege nach Moorburg ab 1837 beendeten die Stellung Apens als Transitpunkt Richtung OstFriesland. Die Straße, der Damm nach Apen folgt keiner völlig neuen Linienführung. Auf der Vogteikarte von 1790 ist die heutige Streckenführung teilweise schon vorhanden. Wenn auch mehr als Ortsverbindungen, noch genauer als Verbindungswege von Hof zu Hof. Was den kurvigen Verlauf erklärt. 1898 berichtet der "Ammerländer" von Pflasterarbeiten der Chausseestraße zwischen Westerstede und Haarfurth. Die weiterführende Straße gen Apen war wohl schon in den 1860er jahren angelegt worden. Allerdings war von Westerloy aus bis Klampen die Chaussee mit Feldsteinen gepflastet. (Siehe Westerloy. Chronik unserer alten Bauerschaft) Zwei 5-Kilometer-Steine, 30-Km-bis-Oldenburg und 35-Km-bis-Oldenburg, begleiten den Damm, also die Straße von Apen bis Westerstede.

 

 

 

 

 

Chaussee-Straße von Westerstede - Grabstederfeld - Bockhorn - Steinhausen

 

 

Chaussee-Straßen waren Kunststraßen. Nicht mehr der alten Straßen- und Wegebauart eines Hohlweges unterliegend. Mit den Chaussee-Straßen wurden nach 1800 erstmals Verkehrswege gebaut, die nahezu unabhängig von Wetter und Jahreszeit ganzjährig nutzbar waren. Der Verkehr nahm damit zu. Die Strasse vom Grabstederfeld über Grabstede / Bockhorn nach Steinhausen wurde in einer Aktiengesellschaft finanziert. Refinanziert durch Erhebung von Mautgebühren. Die Chaussee-Straße von Westerstede - Grabstederfeld - Bockhorn/Steinhausen hatte den Nullpunkt mit dem Westersteder Kirchturm. Drei 5-Km-Steine begleiten noch heute diese Wegführung: einer bei Linswege, einer bei Moorwinkelsdamm, einer in Grabstede. Leider findet sich auf allen drei Steinen keine Kilometerangabe mehr. Steinhausen zeigt auch heute noch den Charme der Klinkerstraßen.

 

 

 

 

 

Chausseestraße Steinhausen