pagus Ameri - Ammergau - Ammerland

 

 

 

Ammerland-Linden-Allee

 

 

 

 

pagus Ameri, schon seit 800 n. Chr. als Name bekannt, bezeichnet den Ammergau, den sumpfigen, den feuchten Gau. Der wesentlich kleinere Landkreis Ammerland führt die Namenstradition weiter.

 

Als Zugezogenem kommen beim Spazierengehen, beim Fahrradfahren durch das Ammerland, durch die friesische Wehde, durch OstFriesland Fragen, wie ist die Landschaft verstehbar, wie ist sie entstanden, wie hat sie sich verändert, wie war sie früher, was bedeuten die Weg-, Strassen und Flurnamen. Oder als Hauptfrage: Wie konnte aus einer enormen, im Grunde genommen überwältigenden Moor- und Heidelandschaft das heutige Ammerland entstehen? Zunächst die "naive" Annäherung, also Betrachten, Anschauen, Fotographieren, dann immer mehr vertieftes Eintauchen in die Geschichte der Bebauung, der (landwirtschaftlichen) Nutzungen, in die Historie des Ammerlandes. Mittels regionaler Literatur, Kartenstudium. Ohne tieferes Wissen ist kaum ein Verstehen möglich. Beim Ammerland kann man in der Literatur grundlegende Entdeckungen machen wie das Werk von Carl Baasen. Einem Westersteder Erdkunde / Geographie Lehrer. Bücher wie "das Oldenburger Ammerland" oder auch "Niedersächsische Siedlungskunde" gehören jeden Ammerländer Kind / Jugendlichen als Pflichtlektüre für die heimische Bibliothek mitgegeben. Eine Neuauflage dieser Werke ist dringend empfohlen, ja geboten. Als Förderer die Schulen, die Schulträger, VHS, heimisches Gewerbe und Industrie.

 

Neben der Landschaft, der menschlich durch verschiedenen Nutzungen veränderten, kommen auch die Siedlungen in den Blickpunkt. Wie sind sie entstanden, wo zuerst, wie haben sie sich entwickelt und warum. Dazu kommt die Annäherung an die größeren Siedlungen. Hier das Ammerländer Phänomen, dass diese kein Stadtgründungen sind wie man sie so zahlreich aus dem süddeutschen Raum kennt. Also auch keine Ummauerung, und damit verdichtete Siedlungsformen im Inneren. Sondern kleine Dörfer entwickeln sich zu Kleinstädten, statistisch gesehen im Prinzip zu Mittelstädten. Ist die Mitte schwach, ist der gewachsene Rand stärker zu beachten. Auch hier findet man mit Kolja Mensings Kleinstadtskizze Westerstedes ein Werk, das kleinstädtisches Neuland betritt.

 

Als einem in Süddeutschland Geborenen verfällt man leicht dem alten eichigen Baumbestand im Ammerland. Am liebsten würde man jeden Baum gleich mehrfach fotographieren, auch die linienartigen Baumgruppenstrukturen entlang der Strassen, Grundstücksgrenzen, Gräben. Verschärft beachtet man auch die geringen Höhenunterschiede in der Landschaft, die einem beim Autofahren, aber oft auch beim Fahrradfahren auf den nivellierten Straßen entgehen. Sucht die Stellen, die früher zum jeweiligen dörflichen Esch gehörten.

 

Auch die Beschäftigung mit der Historie des Ammergaus, des Ammerlandes führt immer wieder direkt in die Landschaft hinein. So z. B. mit der Beschäftigung der sogenannten Friesenschlacht am Seggehorn bei Fikensolt / Mansie. Hier kann man allein aus dem genaueren Lesen der damaligen Wegeverhältnisse die bisher bescheidenen Erkenntnisse über diese Schlacht über den Haufen werfen und eine neue Deutung, die auf schon vorhandenem, aber vernachlässigtem Wissen beruht, auf den Ammerländer Boden stellen. Schließlich sind die Bodenverhältnisse der damaligen Heerstrasse - äußerst schlechte für einen große Beute auf Wägen wegführen wollenden Feind, entscheidend für das Verständnis dieser Schlacht.

 

Dann die Geschichte der Modernisierung dieses Raumes. Die Eisenbahngeschichte. Die Intensivierung der Landwirtschaft. Die Konzentration der Milchwirtschaft. Die enormen, bedenklichen Hinterlassenschaften der NS-Bewegung. Die Arbeiterkultur von Augustfehn. Flüchtlinge ab 1945. Die Erfolgsgeschichte der wirtschaftlichen Entwicklung nach 1945.

 

Viele Geschichten, viele Spuren. Viel Entdeckenswertes.

 

Ammerland. Here I come!  

 

 

 

Ammerländer Bauernhof

 

 


 

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