Grenzweg

Der Grenzweg zieht sich als linienartig, mit Krümmungen von Gristede / Helle bis zum ehemaligen Fliegerhorst Friedrichsfeld. Eine Rollbahn soll laut einer Beschreibung entlang des Grenzweges teilweise bestanden haben. Der ehemalige Fliegerhorst und spätere Bundeswehrstandortübungsplatz unterbricht die sich geradewegs fortsetzende Linie des Grenzweges. Im Grunde genommen setzt sich diese auch noch über Osterforde fort. Die überwiegende Geradlinigkeit des Grenzweges verdankt sich der späten Erschließung früherer Moore und Heideflächen. Rein geometrisch wurde der Grenzverlauf von Landvermessern festgelegt. Ein Grenzverlauf, ein Grenzweg allerdings nur zwischen Gemarkungen, teilweise der Landkreise Ammerland und Friesland. Also keine alten Grenzen, da es diese aufgrund des moorigen Untergrundes früher nicht gab. Man hatte keinen großen Bedarf in einem Moor exakte Grenzen festzulegen, zu versteinen. 


Am Anfang des Grenzweges bei Helle und Gristede zeigt der zunächst noch unruhige Verlauf eine ältere Erschließung auf. Die Erschließung durch Kamps. Also Flächen, die nach und nach aus den Allmendeflächen melioriert wurden. Oft gegen den Widerstand der Hausmänner, der Bauern mit Hof und den alten Ackerfluren auf dem Dorfesch. Die auch weiterhin über diese Flächen nach ihrem Willen verfügen wollten. Zumal die gewohnte Hierarchie in der Dorfgesellschaft, mit ihnen an der Spitze aufrechterhalten wollten. Die Bevölkerung eines Dorfes wuchs und machte Neuerschließungen notwendig. Viele Wege bzw. Gewanne tragen den Namen Kamp. Oft mit den Namen des Kamperrichters vorangestellt. Da diese auf einer einheitlichen Fläche erschlossenen Kamps oft auch noch nachträglich erweitert wurden, ergibt sich hier ein eher unhomogener Landschaftsverlauf. Mit Kurven, wenig Geradliniegkeit. Die Grenzlinien erlaufen unruhig hin und her. Ein Weg mit Namen Köter zeigt deutlich, dass auch Kleinbauern ohne großen Grundbesitz, ohne Tierbestand, in diesem Bereich gewohnt haben. Die weiter folgende Geradlinigkeit des Grenzweges zeigt die späte Felderschließung der Moore an. Wohl nach 1850 oder noch später. Orte wie Petersfeld oder Garnholt bestanden zu dieser Zeit aus einigen Höfen. Einsatz von Dünger glich dann die Lageungunst, die eher schwierigen Bodenverhältnisse aus. Heute hält man die Einzelgehöftsiedlungen für eine ursprüngliche Besiedlung. Aber auch die Besiedlung in Niedersachsen startete mit Haufendörfern. Wenn auch oft mit viel kleineren als in Süddeutschland, da der zunächst verfügbare Ackerraum, der Esch, zu gering war, um größere Haufendörfer zu ermöglichen.


Der Grenzweg, die Erschließung des Grenzweges bei Gristede verdankt seine anfängliche Asphaltisierung der Förderung durch die EU. Das wird auch stolz per Schilder verkündet. Ansonsten würde der Grenzweg wohl hier immer noch so sein, wie er in seinem größten Verlauf aussieht. Ein unbedeutender Weg, wenig genutzt, nicht ausgebaut, Schlaglöcher behaftet, dem bäuerlichen Verkehr überlassen. Wenig bekannt. Nicht für den Radtourismus erschlossen. Seine Durchgängigkeit, seine linienhafte Struktur erschließt sich vorort, in der Landschaft kaum. Seine Einheitlichkeit erkennt man am besten bei einem Blick auf Google maps / Earth. Hier wird deutlich, dass der Grenzweg eine einheitliche Ursache hat. Zudem wird der Grenzweg an einigen Stellen unterbrochen. Kann also nicht durchgängig mit dem Rad durchfahren werden. Auch heißt er an einem Stück anders. Nämlich Schäferweg. Fragt man Anwohner wissen die allerdings schon bescheid, dass sich der Grenzweg als solcher linienartig bis Bockhorn fortsetzt.


Unterwegs stößt man auch auf den Buchweizenweg. Historisch korrekt. Denn durch die Brandmoorerschließung und anschließendem Buchweizenanbau konnte man kurzfristig Erträge auf diesen schwierigen Böden erhalten. Ob allerdings Buchweizenanbau hier noch eine Rolle spielte, wäre noch genauer zu erforschen. Schaltkästen der EWE, oft allein in der Landschaft aufgestellt, zeigen, dass auch dieser wenig besiedelte Raum an das Breitbandnetz mit höheren Geschwindigkeiten angeschlossen werden soll. Selbstverständlich nicht allein aus dem Erschließungswillen der EWE für den ländlichsten Raum heraus. Sondern durch massive Förderung der EU, des Bundes und des Landes Niedersachsens. Sonst würde sich der Ausbau hier nie lohnen. Ausgerechnet der Grenzweg bekommt hier neue Bedeutung als Trägerraum für das Leerrohr, das gerade beim Aufsuchen des Grenzweges im Frühling 2017 verlegt wurde. Das macht den Grenzweg richtig interessant. Auf einmal muss sich der Radfahrer und sein Rad noch viel schwierigeren Wegeverhältnissen stellen. Ein Rest eines Moores ergänzt dieses Landschaftsbild.


Im Frühling der Bauer sein Traktor anspannt. Der Grenzweg ist sein Weg. Um zu den Weiden und Feldern zu gelangen. Beim Auflockern des Weidebodens erhält der auf dem Grenzweg Radfahrende frischesten Erdbodengeruch. Da kann man schnüffeln. Wird fast high. Etwas besseres als frische aufgeworfene oder auch umgebrochene Erdkrume zu riechen, gibt es nicht. Besonders wenn man nicht eigene Körperkraft dazu aufwenden kann. Also genießen kann, was der Bauer hart erarbeiten muß. Und auch nicht für dieses Geruchserlebnis bezahlen muss.


Der Grenzweg verläuft an den Grenzen von Garnholt, Petersfeld, Dringenburg, Spohle, Conneforde, Grünenkamp, Bockholterfeld, Osterforde. Auf dem Boden Friesland ist der Grenzweg nach Querung der Westersteder/Vareler Straße kaum noch erkennbar. Nicht durchgängig angelegt. In der weiten Landschaftsschau als linienartige Strukur anhand von Bäumen gerade noch so erkennbar. Bei einem Schild, das auf eine Pingo Ruine hinweist, bekommt man leicht das Lächeln. Das Schild klärt über den Charakter der Pingo Ruine auf. Diese ist allerdings in der Landschaft nicht erkennbar. Obwohl der Verfasser dieser Zeilen einen sehr geübten Blick hat, Pingo Ruinen in der friesischen Wehde zu erkennen, zu lokalisieren. Was soll hier erst der ungeübte Blick ausrichten? Dem Schild fehlt leider der Hinweis, in welche Richtung, auf was sich der Blick richten soll.


Der Grenzweg soll auch eine Rolle als Rollbahn auf dem 1936 errichteten Fliegerhorst Friedrichsfeld, vorher Moor- und Heideflächen gespielt haben. August Osterloh beschreibt 2009 in seiner "Geschichte der Gemeinde Varel - Land 1856 - 1972" auf Seite 44, dass die Rollbahn anfangend in Osterforde entlang dem Grenzweg durch Grünenkampf folgte: 


"Gleichzeitig wurde eine Rollbahn für die Abstellung von Jagd- und Kampfflugzeugen mit folgendem Verlauf angelegt:
Beginnend in Osterforde folgte sie dem Grenzweg quer durch Grünenkamp, überquerte die Westersteder Straße in Richtung Ilattenhof, verlief im Bogen über Pollmansfeld durch Altjührden, um dann inder Nähe der Ortsgrenze Grünenkamp wieder über die Westersteder Straße in Richtung Kempermanns Mühle auf den Flugplatz einzumünden. Am 24. März 1945 wurde der Flugplatz durch amerikanische Bomber mit einem Teppichabwurf total zerstört. Die Rollbahnen sind nach dem Krieg abgebaut worden. Mit dem Material wurden Wege in der Landgemeinde befestigt." 


So ganz kann man dieser Darstellung Osterlohes nicht folgen, dass die Rollbahn so weit außerhalb der Flugfelder verlaufen sollte. Ein Blick auf Google maps gibt auch keinen Hinweis aufgrund von Bodenverfärbungen diesen Verlauf der Rollbahn nachzeichnen zu können.