Industriegleise - Nebenstrecken Ocholt-Westerstede

Nachdem der Personenverkehr auf der Strecke Ocholt - Westerstede - Grabstede - Bockhorn eingestellt wurde, verkehrte noch einige Jahre der Gütertransport auf dem Gleis. Westerstede mit der Möbelindustrie Steinhoff, hoch hervorragend in der flachen Landschaft, hatte mehrere Industriegleise. Mit den heutigen Just-in-time Laster entwertet. Von Vegetation, von Bodendeckern überwuchert, unter Erdaufschüttungen verschwunden, mit Abfall beschüttet.  

  

 

 

 

 

I-Gleis Hüllstede Burgforde


 

  

 

 

 

 Nebengleis Klamperesch

   

Ein kurzes, aber inzwischen direkt nach der Weiche stark überwuchertes Industrie-Gleis führte ins Westersteder Gewerbegebiet am Sternkamp / Klampersch in der Nähe der Gleisquerung des Fikensolter Schloßweges. Das Industriegleis hat noch eine kurze Abweichung. Auf älteren Plänen ist eine längere Gleisführung erkennbar. In einem Eisenbahnerforum wird noch auf eine schöne Fahrt von zahlreichen Güterwagen mit Dünger auf dieses Gleis hingewiesen: Güterzug mit 360 105-1 nach Westerstede, 1996. Auf YouTube anzuschauen:

http://www.youtube.com/watch?v=x6jHfrmK-JQ&feature=youtu.be

Zuerst sieht man den Zug den unbeschrankten Übergang auf der Kampstraße von Südholt nach Lindern queren. Dann den beschrankten von Südholt, d. h. die Schranken werden erst heruntergekurbelt. Heutzutage wird ja die Durchfahrt der Draisinen an dieser Stelle beschränkt. Zunächst wurden zwei G-Wagen in Westerstede bei Steinhoff abgeliefert. Dazu wurden im Bahnhof Westerstede, der mit seinem Nebengleis die Voraussetzungen bot, die Düngerwagen abgekoppelt, die Lok hinter die beiden "Möbel"-Wagen gesetzt, und diese zu Steinhoff geschoben. Danach koppelte die Lok die Düngerwagen wieder an, allerdings die Lok voraus in Richtung Ocholt, genauer Klamperesch fahrend. (Nicht im Film zu sehen). Dann Rückkehr zum Klamperesch. Die Weiche ein kurzes Stück hinter sich lassend. Dann Einfahrt auf das Gleis zum Klamperesch in Richtung Raiffeisengenossenschaft. Die Wagen schiebend von der Lok. 

 

 

 

I-Gleis Klamperesch


 

   

 

Ode an ein Nebengleis

 

Das kurze Industriegleis zum Industriegebiet Klamperesch. Mit einer weiteren Weiche. Mit inzwischen gekürzter Gleisführung zum Raiffeisengelände. Früher ein Stück Moderne. Ein Stück Anschluss an die Industriegeschichte. An- und abrollende Wagen. Eine rangierende Lok. Eine fast majestätische Aufführung, wie Technik Raum ergreift. Herrlich anzuschauen.  

 

Heute ein Stück Niemandsland. Eine Brache. Von Wildwuchs überwuchert. Mit Abfällen beschüttet. Von Pioniervegetation begleitet. Von Hügelaufhäufungen eingerahmt. Mit Nichtfunktion bestraft. Von Vergessenheit fast eingeholt. 

 

Ein kurzes Stück Nebenbahn. Ein kurzes Stück Industriegleis. Genauer Genossenschaftsgleis. Noch genauer 2 Genossenschaftsgleise. Ein kurzes. Ein noch kürzeres. Eine Weiche. Keine große Geschichte. Und auch nur eine kurze Zeit. Eine kleine Zeit der Nutzung dieser Gleise. Aber doch eine große Wirkung.  

 

Nebenbahnen haben ihre Meriten. Fast unbekannt ist ihre Philosophie. Die ist ähnlich der Philosophie der Seitentäler. Denn ein Fluß ist fast nichts ohne seine zufließenden Gewässer. Ein großes Tal wenig ohne seine pittoresken Seitentäler. Erst durch die Nebenbahnen kann die Geschichte einer Bahnstrecke in seiner Gänze erzählt werden. Dazu braucht es die Philosophie der Nebenbahnen. Die Philosophie der Nebengleise.

 

Selbst als Niemandsland, das sie heute sind, sind sie bedeutsam. Denn dieses Niemandsland hat immer noch den Charakter einer Utopie, eines früheren Versprechens die Welt, die letzten Winkel dieser Welt, durch technischen Fortschritt erschließen zu helfen.  

 

Um aus Adorno's Amorbachlob Wichtiges zu entlehnen und gezielt zu verfremden: Mit einer Nebenbahn erfährt man zum erstenmal, was Eisenbahn wirklich ist. Hätte ich ein Leitbild, so wäre es das Nebengleis zum Klamperesch.

 

 

 

 

I-Gleis Klamperesch II


 

 

 

Das langsame Schwinden der Westersteder Nebengleise


 

Stück für Stück schwinden die Nebengleise Westerstedes. Ein Aufschrei ist nicht zu hören. Zu funktionslos sind inzwischen diese Gleise. Nur ab und zu stolpern einige Gleis-Romantiker einsam und fast verloren herum und werfen einen letzten Blick, machen noch ein letztes Foto. Das Nebengleis zum Möbelproduzenten Steinhoff wurde an seinem Ende verkürzt. Der Zweck weswegen erschließt sich (noch) nicht. Auf dem Betriebsgelände von Lely wurde das Nebengleis radikal entfernt.


 


 

Steinhoff


 


 


 


 


 


 

 


 


 


 

 


 


 

 

Lely