Eisenbahn

 

 

Schmalspur - Normalspur - Stilllegung - Draisine

 

 

Reste Bahndamm bei Eggeloge - Silstro Wald

 

 

 

Westerstede war über die Bahnlinie Ocholt - Grabstede - Bockhorn (Ellenserdamm) ins Bahnnetz eingebunden. Zunächst 1876 als schmalspurige Eisenbahn von Ocholt bis Westerstede geführt. Die Schmalspurbahn endete in Westerstede beim heutigen Gasthaus Zur Linde (damals Oetkens Bahnhofshotel). Ein Raum diente als Wartesaal. Es gab nur einen Halt in Südholt. Ein Betriebsbahnhof wurde vor Westerstede errichtet.

 

 

Mit dem Übergang zu Normalspur 1904 wurde in Westerstede die Führung des Bahngleises verändert, zudem ein Neubau eines Bahnhofes in Westerstede errichtet. Schon 1954 endete die Personenbeförderung. Kurz war also die Bahngeschichte. Am 11. Juni 1936 hielt der Sonderzug Adolf Hitlers in Westerstede. Während des 2. Weltkrieges kam zu Tieffliegerangriffen auf Personen- und Güterzüge. Bei Moorwinkelsdamm war auf dem Nebengleis ein Wehrmachtszug, das als Stabsquartier diente, sogenannter “Dönitz-Zug”, abgestellt. Er wurde von Soldaten gegenüber den Tieffliegerangriffen verteidigt, wenn auch erfolglos.

 

Die Bahnlinie ist heute nur noch bis kurz vor Linswege vorhanden. Verbuschungen, Birken deuten heute noch die Linienführung, wenn auch nur noch rudimentär sowie größere Flächenareale an. Größtenteils sind keine linienartigen Spuren erkennbar. Der ehemalige Bahnhof in Eggeloge, ein "Bahnwärterhaus" bei Moorwinkelsdamm markieren noch die alte Strecke.

Hinweis: Unter dem Link Westerstede-Grabstede bin ich 2014 den Spuren dieser ehemaligen Strecke genauer nachgegangen bzw. nachgefahren mit dem Fahrrad. 

 

 

Von Ocholt bis Westerstede Draisinenbahnhof ist die Strecke per Draisine erfahrbar. Der Bahnhof wurde restauriert und lebt als Gaststätte “Signal” weiter. Der Biergarten heißt “Lokgarten”. Der Güterschuppen beherbergt die soziokulturelle Scene. Am alten Bahnhofshotel erinnert noch die Bahnhofsglocke und eine Erinnerungstafel an alte Funktionen. Eisenbahnromantik verbreitete für kurze Zeit ein ebay-Power-Modelleisenbahn-Seller. Da konnte man sich wie früher im kleinstädtischen Kinderalltag an den Scheiben der inhabergeführten Läden intensiv die Nase platt drücken. Wie früher meist unerfüllt bleibende Wünsche entwickeln. Im Ocholter Ostbahnhof stehen noch einige museale Bahnwägen (der Saterlandbahn) herum. Auch in Bockhorn gibt es noch Erinnerungen an die alte Bahnlinie.

 

 

 

Westerstede-Grabstede-Bockhorn


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bahnhof Westerstede


 

 

Hinweis: Unter dem Link Bahnhof Westerstede ist der Bahnhof sowie die Gleisanlage ausführlich dokumentiert (Stand 2014). Exakter fotographiert. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Westerstede


 

 

 

 

 

Nahezu verschwenderisch geht Westerstede mit der Benennung von Straßen und Wegen nach dem Bahnhof um: Am Bahnhof, Bahnhofstrasse, Bahnhofgang und Bahnhofweg. Selten hatte ein Ort auch gleich zwei Bahnhöfe an verschiedenen Stellen, an veränderter Streckenführung der Gleise: Zuerst die Gaststätte Zur Linde und dann den im Burgstil erbauten Bahnhof. Hermann Ries liefert in seiner Westersteder Chronik das Bonmot, dass die Westersteder mit ihren Schmalspurbahn ziemlich großspurig daher kamen. Ein EbayPowerSeller hielt mit Modellverkäufen die Erinnerung an die Bedeutung der Bahn aufrecht.

 

 

 

 

 

Die schmalspurige Eisenbahn von Ocholt nach Westerstede

 

 

Die Publikation von E. Buresch (Grossherzoglich Oldenburg’scher Geheimer Oberbaurath) beschreibt die Gründe, die Planung und Bauausführung der Bahnlinie von Ocholt nach Westerstede. 1877

 

“Die von den Anwohnern der Chaussee gefürchtete Beinträchtigung ihres Erwerbes liess dann auch nach der am 15. Junius 1869 erfolgten Eröffnung der Bahn Oldenburg - Leer nicht lange auf sich warten. Namentlich musste das weit abseits der Bahn liegen gebliebene Städtchen Westerstede (ca. 1700 Einwohner, der Haupt- und Amts-Ort der Landschaft “Ammerland”) bald erkennen, dass mit der Einstellung der früher 2maligen Postverbindung und mit dem Aufhören des übrigen Reise- und des Frachtverkehres auf der Strasse, ein wesentliches Lebenselement ihm genommen sein; der Wohlstand der Bewohner ging merklich zurück. Bezügliche Vorstellung bei der Regierung waren deshalb ebenso begreiflich Als Abhülfe des unleugbaren Missstandes wünschenswerth.

 

 

Unter den nach und nach auftauchenden Plänen zur Herbeiführung besserer Zustände wurde die Idee einer Schienen-Verbindung des Städtchens mit der Oldenburg - Leer’r Eisenbahn energisch ergriffen und nachhaltig verfolgt.”


 

 

 

 

 

 

Draisine Westerstede-Ocholt


 

 

 

 

 

Nicht ganz übliche Marktpreise werden hier verlangt. Die bescheidene Frequenz der Draisinenabfolge konstituiert das, möglicherweise. Bei einer Großfamilie heißt es kräftig zu berappen. Dabei ist alles in Eigenleistung fortzubewegen. Die Strecke ist zwar flach, aber zu kurz. Zu selten kreuzen junge Damen. Die stählerne Strecke. Mit ihren Pferden. Hengsten. Da bremst man gern. Auch ne Draisine. Der erste Eindruck mag täuschen. Setzen die jungen ammerländer Frauen zuviel aufs Pferd? Der Käsereihof verdammt kurz vor Ocholt Ostbahnhof bietet auch Automatenkaffee.

 

Ruckizucki ist man in Ocholt und sitzt dort oft gruppenverhaftet in einer hölzernen Unterkunft herum. Gruppendynamische Animateure sind nun am Zug, um aufkommender Langeweile abzuhelfen. Sofern selbst mitgebracht. Abfahrt ist erst wieder in einem festgelegten Zeitkorridor möglich. Die Museumsbahn leistet etwas Abwechslung. Das Rätselspiel, wo nun vorbestellte begrillte Speisen abzuholen sind, eventuell auch. Die Schilder weisen mehr in die Irre. In die Ferne Ocholts. Dabei liegt die anzustrebende Gaststätte so nah. Eine etwas bessere Beschilderung könnte hier leicht abhelfen (Anmerkung: inzwischen geeignete Beschilderung vorhanden). Ablaß für menschliche Bedürfnisse bietet ein bei der Fahrteinweisung in Westerstede mitgegebener Schlüssel. Zur Toilette. Man wird bei der Fahrteinweisung am Westersteder Draisinenbahnhof auch darauf hingewiesen, dass in Ocholt nichts los ist. Das ist ja schon mal ein sehr schiefer Einstieg für Ocholt. Dem auch viele Gruppen zum Opfer fallen und deshalb am Ocholter Draisinenbahnhof mit dem Holzschuppenambiente verharren, statt die viele Zeit zu nutzen und auf Erkundung zu gehen.

 

Es fehlt hier die Verzahnung der touristischen und historischen Infrastruktur. Wer Ocholt und Howiek sich mit etwas geschichtlichem Background nähert, dem wird nicht langweilig. Die nahe Wassermühle ist eine kleine Wanderung wert. Zur Geschichte, Bewirtschaftung der Wassermühle liegt genügend historisches Material vor. Man stößt ja beim Gang zur Wassermühle zudem auf die Geschichte des Klinkerstrassenbaus. Auch hier ein direkter Einstieg in die Geschichte des historischen Ammerländer Wegesystems, Strassenausbaus. Auch die Historie der Moorkultivierung wäre hier direkt vorzeigbar. Möglicherweise auch verbunden mit einem Ausflug zum Fintlandsmoor (Transport wäre hier zu organisieren). Dann noch die Eisenbahngeschichte, die Entwicklung Ocholts als Eisenbahnkontenpunkt. Auch hier wesentliches Potential zur vertiefenden Darstellung, das Besucher näher an Ocholt binden könnte. Eine kurz gefasste Information, direkt übergeben bei der Einweisung in die Draisinennutzung könnte touristisch genutzt werden, um Ocholt nicht nur als End-, Halte- und Wendepunkt in Erinnerung zu bringen.

 

Dennoch. Das Ganze ist die Draisine wert. Wenn auch etwas zu kostspielig. Der Haltepunkt in Südholz. Eisenbahntechnisch eine Sensation. Eine Beschränkung der Bahn. Des Gleises. Nicht begleitend zur Bahnstrecke. Wie bei einem Bahnübergang ansonsten. Sondern radikal quer zu den Schienen. Die Draisine machts möglich. Ausgebremst. Beschränkt. Aufgehalten. Die Draisineninsassen, zumindest ein Teil davon, müssen beide bescheidenen Schranken horizontal zur Straßenführung aufheben! Nix (Eisen)Bahn frei, Kartoffelbrei. Die Draisine, zumindest die von Westerstede nach Ocholt, lehrt einem ein neues Universum der Eisenbahngeschichte.

 

Halt Südholt

 

 

 

Südholt


1  

 

 

 

 

 

Ocholt


 

 

 

 

Ocholt – ehemals Eisenbahn(er)stadt/dorf

 

Der Bahnhof zeigt nur noch in seiner nahezu ewigen Geradlinigkeit die ehemalige Bedeutung an. Das alte Bahnhofsgebäude ist leider schon verschwunden. Das neue im belanglosen 70er Jahre Stil ziemlich funktionslos. Nahezu vergammelt wirkend. Eine äußerst grausame Unterführung erwartet die Aus- und Einsteigenden. Am “Ocholter Ostbahnhof” hält noch der Museumsverein alte Eisenbahnerherrlichkeit hoch. 2 Schienenbusse weisen die alte Richtung ins Saterland an. Sowie zwei alte Personenzuganhänger. Im Lokschuppen 2 Rangierloks versteckt. Aus Richtung Westerstede treffen nun nur noch Draisinen ein.  Ocholt ist der größte Ort unter den vielen Eingemeindungen Westerstedes. Sind es 24? Mehr oder weniger. Die Anzahl variert in manchen Beschreibungen. Die Eisenbahn war wie in vielen Orten als Kreuzpunkt mehrerer Bahnlinien die Ursache für das Wachstum Ocholts. Die Nähe der Kleinstadt Westerstede minimierte allerdings die Entwicklungschancen. Ocholt konnte neben der Zentralitätsfunktion Eisenbahn keine weiteren zentralen Amtsfunktionen an sich binden, da diese bereits im nahen Westerstede vorhanden waren. Immerhin  versuchte Ocholt den Aufstand. In die Selbstständigkeit. Wenn auch gescheitert. Ein im Dachstuhl abgebranntes Gebäude gegenüber dem Bahnhof, schon vor Jahren angekohlt, scheint nahezu symbolhaft als stehengebliebenes die *Entwicklungsruine* Ocholt zu unterstreichen. Auch wenn sich Ocholt einwohnermäßig stark entwickelt hat, Industriebesatz hat, das Potential als Eisenbahnerort konnte nicht wie bei Orten an einer Eisenbahnhauptlinie genutzt werden, um sich zu einer Kleinstadt zu entwickeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neuenburg Zetel


 

 

 

 

 

1896 wurde die Nebenbahn von Neuenburg nach Varel eröffnet. Die Gebäude an der Strecke waren bis 1898 vollständig erbaut. Der Bahnhof von Neuenburg, Endpunkt, hebt sich architektonisch mit sehr vielen kleinteiligen Stilelementen hervor - mehr Wirkung als Bedeutung. Nur am Bahnhof selber sind noch Reste von Gleisen vorhanden. Die Linienführung nach Zetel dient nun als Radweg. In Zetel ist es schon schwieriger, die ehemalige Strecke zu entdecken. Der Bahnhof wurde im schlichten Klinkerbau errichtet. 

 

 

 

 

 

Ellenserdamm


 

 

 

 

 

 

Die Bahn hatte schon immer eigene Poesie in der Benennung von Bahnhalten. Vom frischen kapitalistischen Zeitgeist geprägt. Vorwärts und investieren! So wurde aus Ellenserdammersiel bahnmodern Ellenserdamm. Der Name passte auch aufs Bahnhofsschild. Der Bahnhof mußte also nicht allein des Bahnhofschildes wegen verlängert werden. Im Ort erklärt ein Tafel mit Wort und Bild die Historie. Die Eisenbahngeschichte des Ortes. Den Hafen. Die Molkerei. Dazu muss man gedanklich in die Vergangenheit reisen. Die Oldenburger Grafen - als des Reiches nordwestliche Deichgrafen - dämmten den Jadebusen hier ein. 1744 wurde Ellenserdammersiel zum Hafen. Vom Bahnhof führte auch ein Gleis zum Hafen. Wegen des Warenumschlages. In Ellenserdamm war von der Bahnlinie Oldenburg - Wilhelmshaven abführend ein Abzweig in Richtung Bockhorn. 1924 konnten keine Schiffe mehr den Hafen von Ellenserdammersiel erreichen. Der Hafen wurde nun zugeschüttet.