Bauernhöfe I

 

 

 

 

Was den Ostfriesen nicht dauerhaft gelang, sondern oft in Niederlagen wie 1457 endete, erreichte das ostfriesische Bauernhaus, das Gulfhaus. Es setzte sich im Ammerland dauerhaft fest, besonders nach 1900 als Folge der Kolonisation der dortigen Moore. Und zwang das niedersächsische Bauernhaus zum Rückzug. Nicht modische Wandlungen waren die Ursache, sondern die wirtschaftliche Überlegenheit der Konstruktion des Ostfriesenbauernhauses. Es hatte viel mehr Stapelraum. Sogenannte Gulfen. In leichter Schrägstellung nach Innen aufgestellte Ständerpaare ergaben in Reihung hintereinander die Gulfen mit einer enormen Höhe. Ca. 7,50 m bis 8,50 m Höhe. Darüber wurde das Sparrenwerk des Daches aufgesetzt.

 

An den folgenden drei Bilder ist die Konstruktion der Ständerpaare sichtbar. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Grundriß des Nutzbereiches des Gulfhauses zog sich über die gesamte Länge des Gebäudes die sogenannte Tenne hin. Mit vorderer und hinterer Ausfahrt. Insofern hatte das Gebäude eine leichte Zu- und Ausfahrt. Gegenüber der Tenne war auf der anderen Gebäudeseite der Kuhstall angelegt. Sowie der Schweinestall. Das Jungvieh wurde in Richtung der Gulfen eingestallt. Der Pferdestall befand sich an der Stirnseite. An der gegenüber liegenden Stirnseite ergab sich eine Fortsetzung in Richtung des Wohnbereiches. Im Ostfriesenbauernhaus wird das Viehfutter nicht auf dem Stallboden gelagert. Muss also von rückwärts den Tieren vorgetragen werden. Sie werden also von hinten gefüttert wie der Volksmund lästerte. Die von Hintenfütterung gilt aber nicht vollständig für das Ammerland. Auch wenn das ostfriesische Stallhaus übernommen wurde, war die Ausstallung im Gegensatz zu Ostfriesland in Richtung zum Mittelgang. In Tarbarg zum Beispiel bei 36 Gulfhäusern standen in 32 Kuhställen die Kühe zum Mittelgang, nur vier zur Wand. Dagegen war in Ihausen bei 80 von 110 Gulfhäusern die Ausstallungsrichtung zur Außenwand hin. Die Kühe verlassen das Gebäude durch die kleine Stalltür, die Pferde dagegen durch das große Einfahrtstor.

 

Die massenhafte Erschließung und Urbachmachung der Moore nach 1850, sei es durch Fehn- oder Hochmoorkultur ergab für die siedlungswilligen Menschen, sogenannte Anbauern, neues Land, neue Ackerflächen. Und damit auch neuen Bedarf zur Neuanlage eines Bauernhofes. Hier setzte sich im Ammerland das ökonomischere Friesenbauernhaus durch. Neben dem Gulfhaus wurden weitere Stallgebäude, Scheunen errichtet. Oft von enormer Größe. Damit stieg auch der Finanzierungsbedarf der bäuerlichen Familienwirtschaft. Damit auch die Verschuldung. Krisen waren existenzbedrohlich. Und die Krisen kamen schnell: Der 1. Weltkrieg, die Weimarer Zeit, die großen Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre. Die Bauern landeten in der Einflussnahme der Nazis.

 

1906 konnte W. Peßler in seiner Schrift „Das altsächsische Bauernhaus in seiner geographischen Verbreitung“ das Vordringen des ostfriesischen Bauernhauses in das Ammerland dokumentieren: „In den anderen Grenzorten dringt das Friesenhaus schon ein, so in Bokel, Hengstforde, Apen, Nordloh, Godensholt, weniger in Westerloyerfeld, Lindern, Mansie, Halstrup, Linswege, Halsbek, Eggeloge und Moorburg.“ Dagegen berichtet Menne Feiken Helmers 1943 (Das Gulfhaus. Enstehung und Entwicklung): „Viele Orte, von denen Peßler noch berichten konnte, dass das Friesenhaus erst wenig eingedrungen sei, zeigen jetzt seine Vorherrschaft, so Eggeloge mit dem Verhältnis 23:21, Halsbek mit 31:17 und Moorburg mit 39:36.“ In Tabellen hat Helmers das Verhältnis von ostfriesischen zu den niedersächsischen Hausformen dargelegt. Für das Ammerland zeigt die Tabelle in den Fehnkolonisationen für Augustfehn ein Verhältnis von 100:3, für Ihausen 110:0, für Tarbarg 36:0 für das Gulfhaus an. Auch in Hüllstede hat die ostfriesische Hausform eine Mehrheit mit 39:33, dazu kommen einige Ergänzungsbauten nach ostfriesischer Bauart. Ammerländer Bauernhöfe haben also oft einen Stilmix aus niedersächsischer und ostfriesischer Bauart. Das alte Wohnstallhaus also niedersächsisch, der "modernere" Ergänzungsbau dagegen ostfriesisch. In Westerloy war noch eine Mehrheit des niedersächsischen Wohnstallhauses zu finden mit 46:41, in Hollwege mit 58:37, dazu 7 Ergänzungsgebäude mit ostfriesischen Charakter. Ebenso eine in Mansie mit 45:24, Linswege mit 22:16, Torsholt mit 39:26. In Kayhausen dominierte der niedersächsische Typ mit 50:4, dagegen im Kayhauserfeld nur noch mit  25:18.  

 

Die Schrift Helmers, 1943 entstanden, - aus der viele der hier eingeflossenen, wiedergegebenen Informationen stammen - trägt den Ungeist dieser Zeit. Auch in der Entwicklung der Baustile des Bauernhauses wird deshalb von Entartung gesprochen. Entartung meint besonders die Gestaltung des Wohnbereiches mit städtischen oder historisierenden Gestaltungselementen. Aber auch die villenartige Alleinstellung des bäuerlichen Wohnhauses. Also die Aufteilung der Einheit von Wohnen und Stallscheune, die Abkehr vom Gulfhaus. Auch die Verwendung von Falzziegeln wird als entartet eingestuft. Diese ästhetisierende Kritik trat und tritt auch in der bundesrepublikanischen Diskussion über die Entwicklung des ländlichen Raumes auf. Das Städtische bzw. das von der Stadt Übernommene wird verdammt. "Grün kaputt" war eine dieser Parolen.    

 

Das sächsische Bauernhaus, auch niedersächsisches oder Hallenhaus genannt ist wie das ostfriesische ein einheitliches Wohnstallgebäude. Allerdings ist das große Haupttor in der Mitte des Gebäudes, im Gegensatz zum ostfriesischen, das das Haupttor an der Giebelseite von der Mitte weg in Richtung Außenwand versetzt hat und damit ja gerade die großen Stapelräume der Gulfen eröffnet. Das niedersächsische Bauernhaus ist ein Zweiständerhaus. Allerdings erreichen die Ständer bei weiten nicht die Höhe der ostfriesischen. Die dem Haupttor gegenüberliegende Stirnseite gehört dem Wohnbereich.   

 

 

 

 

 

 

Bauernhof Halfstede I  

 

Ein schöner Bauernhof am Zwischenahner Meer. Von Bäumen, Büschen eingerahmt und auch damit versteckt. Ein großes Ensemble bäuerlicher Nutzgebäude auf sehr engem Raum. Überall wird der Hofraum gebraucht, Anhänger, Maschinen, Werkzeuge, Steine sind abgestellt. Die Hoffläche ist kaum versiegelt.

 

 

 

 

Bauernhof Halfstede I

 

 
 


 

 

 

 

Halfstede I


 

 

 

 
 

Bauernhof Halfstede II


 

Der landwirtschaftliche Zuweg wunderschön von Baumreihen begleitet. Eine ästhetische Zuführung zum Bauernhof, zum großen Tor des Sachsenhauses. Der Wohnhausbereich des niedersächsischen Hallenhaus ist gegenüber der benachbarten Scheune nach vorne versetzt, damit mehr belichtet.

 

 

Bauernhof Halfstede II

 

 

 

 


 


 

 

 

 

Halfstede II


1  

 

 

 

 

 

  

Bauernhof Elmendorf


 

Katzen streunen über den Hof, Kühe schauen neugierig aus dem größtenteils zugemauerten früheren Tor. Das niedersächsische Bauernhaus ist reetgedeckt. 

 

 

Bauernhof Elmendorf

 

 


 

  

 

 

 

 

Elmendorf


1  

 

 

 

 

 

 

 Bauernhof Westerloy I   

 

Ein mächtiges Ensemble direkt an der Straße von Westerstede nach Apen. Das niedersächsische Hallenhaus steht schräg zur Straße. Das Nutzgebäude weist Fachwerk auf, mit nahezu quadratischer Gliederung. Das Einfahrtstor nach ostfriesischer Art an dei Seite versetzt, um in der Mitte des Gebäudes einen hohen Stapelraum zu erzeugen. Nahe beim Feldesch gelegen. Ein weiterer älterer Kuhstall ist nach niedersächsischem Baumuster errichtet. Im Ammerländischen stehen sich ostfriesische und niedersächsische Baukultur nicht konträr, sondern integriert gegenüber. Manchmal ist auch ein Baumix erkennbar, quasi eine Synthese beider Stile, vor allem wohl nach Umbauten, Anbauten, baulichen Ergänzungen.  

 

 

Bauernhof Westerloy I

 

 

 

 

Westerloy I


 

 

 

 

 

 

 

  Bauernhof Westerloy II   

 

Ein sehr schönes, langes niedersächsisches Wohnstallgebäude ist inzwischen zu reiner Wohnnutzung umgewandelt. Daneben ein nach ostfriesischer Bauart errichtetes Nutzgebäude.
 

 

 

 

Bauernhof Westerloy II

 


  

 

 

 

 

Westerloy II


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Bauernhof Westerstederfeld I 

 

Kein aktiv genutzter Bauernhof mehr. Aber von seiner isolierten Lage inmitten landwirtschaftlicher bewirtschafteter Grundstücke ein ästhetisches Herzstück der Landschaftsschau. Sparsam im Hintergrund von Bäumen begleitet. Ein sehr eng beieinanderstehendes Ensemble verschiedener Wohn- und Funktionsgebäude. Ein Bauernhof, der seine Anlage der Feld- und Kamperschließung verdankt. Also inmitten der zugehörigen landwirtschaftlichen Flächen, aber weit weg vom Ortskern.

 

Bauernhof Westerstederfeld I

 

 

 

 

Westerstederfeld I


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