Ammerland

 

 

 

 

 

 

 

 

Elmendorfer Meer


 

 

 

 

 

Die *Kreis*radfahrt um das Meer, früher Elmendorfer Meer, heute Zwischenahner Meer, morgen Bad Zwischenahner Meer herum bestimmt nahezu das Hiersein der *Kur*Gäste, hier niedergelassener Rentner, Touris. Ein ewiger Kreislauf des Lebens, wenn auch ein angenehmer. Die Wege haben manchmal Engstellen, die kein wackliges Steuern des Rades erlauben. Lokale mit Gartenbewirtschaftung finden sich überall. Und werden auch immer angesteuert. Aalessen ist Trumpf, eine lokale Spezialität. Dem wären die Dortmunder Fußballborussen, wegen eines Pokalspieles in Oldenburg, einmal fast zum Opfer gefallen. Der Aal schmeckte den Kickern, die Aalessen nicht kannten, so gut, das sie sich den Ranzen überfüllten und am nächsten Tag, dem Tag des Pokalspieles gegen VfL Oldenburg, kaum laufen konnten und deshalb nur mit äußerster Mühe gewannen.

 

Leider ist dem Zwischenahner Meer seine ursprünglichen Nutzung neben dem Fischen, also dem Baden im See, ziemlich abgekommen. Viel zu wenige Strandzugänge gibt es überhaupt noch. Zu sehr sind die guten Stellen privatisiert, veryachthaftet. An den Anlegestellen der *weißen Flotte* tümeln sich die älteren Jahrgänge. In Dreibergen stehen die drei angehäuften *Hügel* einer früheren Burganlage neben der Bewirtschaftungs*ruine* des schön lagigen Seeschlößchens. Leere statt Fülle mit Gästen. Der Radweg hält zu sehr Abstand vom See, vom Seeufer. Bei Bad Zwischenahn wird per Schild hingewiesen, dass der Besitzer die Durchfahrt nur duldet. Am Ufer in Bad Zwischenahn herrscht ein noch kräftigeres Regiment: Radfahren ist hier strengstens verboten. Wandeln im Kurgästetempo ist erwünscht. Nur sehr wenige Sonnentanker legen sich im Badezeug an den Uferbereich. Noch weniger steigen auch ins Wasser. Man schickt hier höchstens die Kinder vor. Kontemplative Nutzung des Uferbereiches herrscht. Schauen, aber kein Hinein. Die Ansprüche des *Bad* nichten die Ansprüche der Alltagswelt.

 

In Bad Zwischenahn herrscht sowieso fast immer der Ausnahmezustand. Hier gibt es keine Ruhetage. Auch sonntags wird auf Teufel komm raus verkauft. Der Flaneur beherrscht die örtliche Straßenscene. Diese Betriebsamkeit verdeckt, dass das architektonische Ensemble dieser Stadt bescheiden auftritt. Man schaut hier nicht auf die Häuser, die Straßenzüge, man schaut auf die Geschäftsauslagen, man geht in die Läden und Restaurants. Abseits der *Haupt*geschäftsstrasse finden sich durchaus prächtige Villen. Auch hier mit Sperrung des Uferzuganges aus privaten Besitzgründen. Die Stadt bereitet sich gerade (August) auf ihre Woche vor. Der Marktplatz ist mit Buden voll. Hüpfburgen allerorts. Ausschänke werden zusätzlich zu den vielen schon vorhandenen über den Ort, seine Wiesen, Plätze, Straßenräume verbreitet. Lautsprecheranlagen an den Laternenpfosten erlauben die direkte Ansprache ans Volk. Nicht ganz kurstadtgemäße Lautstärke. Hier ist die Bewirtschaftung ganz auf Fisch eingestellt. Faszinierend dass ein alteingesessenes Aalrestaurant bei der Schreibweise Eigenwilligkeit zeigt: “Raüchereiverkauf”. Aber Schilder wie “T’on Smoortaal” erlauben durchaus lokale Schreibweisen. Die schon jahrelang an der Hauswand prangen.

 

 

 

 

 

 

 

Radtour n. Wiefelstede 2012/13


 

 

 

 

 

Radtour im September in Richtung Wiefelstede. Petersfeld wird zunächst angesteuert, um endlich mal den imposanten *Herren*Wohnsitz aufs Bild zu bannen. Garnholt wegen des hinter Rhododendron versteckten Gutshauses, in dem schon Michael Jary komponierte. Der Wegname “August-Lauw-Strasse” benennt den Erbauer dieses villenartigen Gutshauses und weist in die frühe Zeit des Kapitalismus im Ammerland bzw. friesischer Wehde: ein Bockhorner Ziegelei-Besitzer. Die Landschaft ist bestückt mit Protestformen gegen den drohenden Bau der bereits dritten Autobahn durch das Ammerland, die hier von der E22 in Richtung Küste abgehen würde. Das modernisierte Wiefelstede beeindruckt auf den ersten Blick wenig. Ein Besuch in alten Kirche, 1057 gegründet, ändert dies. Die Empore ist in das Kirchenschiff hineingezogen. Die Ammerland Molkerei, Dringenburg, steht wie eine trutzige Festung in der Landschaft. Ein deutlich mißglückter Wall deckt die Flanke nur teilweise ab. Welcher gärtnerischer Vaubaun hat hier aufgehäuft? Allerdings ohne das Know-How des Wälle-und-Mauern-Meisters. Die sich lang erstreckende Ästhetik des Weges nach Garnholt, Eichenallee, wird von Protestschilder gegen Hühnermastbauten, unterbrochen. Ein dem Erdboden nahezu gleich gemachtes Feld, mit Strommasten garniert, Windräder im Hintergrund, zeichnet das im Protest beschrieene Ende der Natur. Auf dem an seinem Alter längst leidenden Klinkersteinweg in Richtung Linswege erlebt man fast eine Zeitreise in alte bäuerliche Zeiten. Der *Eschweg* in Richtung Burgforde schließt die Radtour ab.
Ende August 2013 erneut diese Tour. Das Autobahngespenst hängt immer noch über Garnholt. Die Kirche in Wiefelstede wird saniert, modernisiert. Die Ammerländer Molkerei zeigt sich mit Neubauten wie ein Weltraumbahnhof. Die Ausweitung in die Höhe, in die Breite nimmt erheblich zu.

 

 

 

 

 

 

Radtour nach Edewecht 2012


 

 

 

 

 

Erkennbare Höhenunterschiede im Gelände geben Anlass über die Höhenverhältnisse des Ammerlandes nachzudenken. Am einfachsten zeichnet der Ablauf der Gewässer diese an. Die meisten Bäken, Streeks fließen nach Südwesten ab. Apen ist der Tiefpunkt des Ammerlandes mit dem auch sogenannten Aper Tief. Statt zum nahen Jadebusen ist die Hauptabflußrichtung in Richtung Ems zu finden. Die Gemarkung Bad Zwischenahn entwässert nur zum Teil nach Süden über die Aue, über die Haaren gen Oldenburg, also in Hunte und Weser. Die Höhenunterschiede des Ammerlandes reichen von ca. von 2 m über NN bis 21 m NN. Immer wieder begegnet man im Ammerland der Bezeichnung “Berg”. Z. B. der Torsholter Berg. Dabei handelt es sich eher um geringe Kuppen in der Landschaft. Die aber für die bäuerliche Bewirtschaftung von wichtiger Bedeutung waren. Die höherlagigen Flächen, die Eschen, waren Areale des Ackerbaus und der ersten Bauernhöfe, also der Pferdebauern. Wiesen und Weiden nehmen die niedrigeren Flächen ein. Die Köter, also die Kleinbauern, hatten deshalb kaum Besitz an den höher gelegenen Nutzflächen. Selbst der Tarberg, genannt Tarbarg, die Siedlung im Uplenger Moor, war nur mit fester Fläche gegenüber dem Moor als “Berg” erkennbar. Kräftig hohe Wallhecken an den Grundstücksgrenzen machen Lust, sich einmal auf die Suche nach den Resten der Landwehr zu machen, die das Ammerland vor den Friesen schützen sollte (neben den Mooren und Burgplätzen) und umgekehrt Friesland von den Einfällen der Oldenburger Grafen.

 

Edewecht ist heute ein Zentrum der Fleischverwurstung. Eine Sau in Bronze scheint das einzige *lebendige* gegenüber dem abgesperrten, bodenversiegelten Areal eines Schinkenherstellers zu sein. Der Kleinbahn-Wanderweg erinnert an die “Moorbahn” zum Edewechter Damm. Edewecht leidet heute noch an den Kriegszerstörungen vom April 1945. Soweit es das Straßenbild betrifft. Kritisch summiert: Ein nahezu nicht endenwollender Vorortcharakter. Es gibt sich heute als Einkaufsort für die Region. Der Kirchhof mit hölzernem Glockenturm und Kirche aus dem 13. Jahrhundert mit Anbauten in späteren Jahrhunderten wird immer wieder gern angefahren. Auch wenn das Radfahrmotto lautet “Kirchen von außen, Gastwirtschaften von innen” wird in der Edewechter Kirche gern eingekehrt. Sie bezeichnet sich als “Straßenkirche”. Also auch für die von der Straße, vom Radweg Kommenden, offen. Die ins Kirchenschiff hineinragende Empore ist wie die in Bad Zwischenahn, Wiefelstede immer wieder erstaunlich, ebenso die Gestaltung der Kanzel. Der Glockenturm wurde 1945 ein Opfer der Kriegsflammen, nach 1950 im alten Muster wieder errichtet.

 

 

 

 

 

 

 

Aper Tief, Apen, Augustfehn


 

 

 

 

 

Das Aper Tief machte einen bereits beim Lesen von Carl Baasens Abhandlung über das Ammerland neugierig. Das Buch bereitet einem beim Lesen fast auf jeder Seite mehrere Erkenntnisschocks. Hier nun diesen, dass sich beim Aper Tief die Flut des Meeres, durch Ems und Jümme kommend, spürbar machte. Das war 1927 beobachtet, beschrieben. Aber bei der Höhe von 1 Meter über NN verständlich. Das Aper Tief war Jahrhunderte lang ein gewaltiges Überschwemmungsgebiet. Es bedrohte die schmale Landzunge zwischen Lengener/Aper und Nordloher/Godensholter Moor. In diesem schmalen Streifen verlief die alte Hauptheerstraße zwischen Ostfriesland und Ammerland, die oft aufgrund des Wasserstandes unpassierbar war. In Apen wurde auch Zoll erhoben. Was die Friesen veranlasste, da sie ihren Holzbedarf zur Einzäunung von Ackerflächen, Gärten, zum Schutz vor den weidenden Tieren aus holzreichen Ammerland bezogen, Holz hoch veranlagt wurde, bei Frost über die Weite der nun festen Moore zollfrei ins Ammerland zu gelangen und vor allem auch wieder holzbeladen zurück.

 

Das Aper Tief vereinigt drei Zuflüsse, Ollenbäke, Große Süderbäke, Große Norderbäke.  Zudem den Nordloher Kanal seit der Moorerschließung. Wenn man von Westerstede in Richtung Apen fährt fallen bei Espern, im Apener Feld bereits umfangreiche hohe Dämme, Polder auf. Das Apener Tief zwischen Apen und Augustfehn ist imposant hoch umdämmt. Bei Augustfehn in Richtung Holgast wird neu aufgedämmt. Nach Augenzeugenberichten aus früherer Zeit waren die Überschwemmungsflächen auch besonders für Durchreisende beeindruckend.

 

Apen wird vielfach mit seiner ehemaligen Festung beschrieben. Auch das Stadtwappen prunkt mit der Festung.  Davon ist beim Durchradeln wenig zu bemerken. Der Burgweg ist ein Weg ohne Burg. Die Burgenlandschaft Ammerlands ist weitgehend abgeflacht. Nur noch an den aufgeschütteten Hügeln, an Wällen und Gräben erkennbar. Von Mauern, Türmen, Feste, also alles was zu einer vorzeigbaren Burg gehört, nichts oberflächlich zu sehen. Allerdings: In den 70er Jahren wurden Reste der Festung an der Ive freigelegt. Auf Fundamentebene. Die hält sich nie lange. Die Straße "Festung" in Richtung Sportplatz trägt zumindest auch geographisch richtig die Erinnerung an befestigtere Zeiten weiter. Bahn(hof)freunde kommen in Apen nicht zum Zug. Der Weg "An der Bahn" trauert mehr, als er erinnert. Spurlos schwindet also ein ehemaliges Bahnhofsgelände dahin. Die Kirche ist leider meistens verschlossen. Sie weist eine kunstfertig geschnitzte sehenswerte Kanzel auf. Apen stammt nicht vom Affen (ape) ab, sondern von aapen, also offen, offen nach Friesland, zum Wasser hin.

 

Zum Affen wird man gemacht, wenn man die "Strieken Straat" sucht. Also eine Straße, die oft unter Wasser stand. Eine gestrichene Straße. Die als Heerstraße Jahrhunderte lang durch Apen zog. Als eine der wenigen Verbindungen nach Ostfriesland / Holland. Als der Heerweg über Apen wegen Regen kaum noch passierbar war, wurde er als Postweg durch den Bau des Dammmweges von Moorburg in Richtung Großsander restlos entwertet. Die Apische Gemeinde stellte noch den Antrag den neuen Weg über Moorburg zu demolieren und den Fortschritt aufzuhalten. Vergebens. Apen blieb links liegen. Verlor seine Bedeutung als Durchgangsort. Verlor auch seine Amtsfunktion gegenüber Westerstede. Streng nach dem geographisch-städteentwicklungskundlichen Gesetz: Wer Amtsfunktionen verliert, verliert auch weiterhin. Wer Amtsfunktionen gewinnt, gewinnt auch weitere. Heute ist die historisch verdiente Strieken Straat zu finden als Streichenstraße. Schade, dass keine Erklärung zur historischen Bedeutung des ohne Vorkenntnisse nicht verständlichen Straßennamens angebracht ist. So denkt man sich, was war denn das für ein Stadtpatron, der Herr Streichen? Dass er so eine zentrale Straße in Apen benennt. Ausführungen Carl Baasens zum Hohlwegcharakter der Strieken Straat sind zu empfehlen.

 

Interessant wie sich Geschichte reproduziert. Hatte die Apische Gemeinde noch den Antrag gestellt, den neu errichteten Postweg über Moorburg - Großsander zu demolieren, damit der Postverkehr wieder über Apen nach OstFriesland, in Richtung Holland verlief, so wehrt sich nun die Apische Gemeinde gegen Pläne, die Eisenbahnlinie Ocholt - Westerstede erneut zu reaktivieren, da man Nachteile für die eigene Gemeinde befürchtet. Immerhin befürwortet die Apische Gemeinde die Wiederkehr eines Haltes direkt in Apen. Wie konnte der Bahnhof überhaupt verschwinden?

 

Augustfehn stieß erst spät zum Apener Tief dazu. August zeigt den Oldenburger Herrscher an, Fehn die Entwässerungsmethode, indem mit einem großen Kanal planmäßig ein Hochmoor entwässert wurde und der Grundlage zur Kolonisation des Moorgebietes war. Der Augustfehnkanal wurde ab 1841 unter staatlicher Planung in Handarbeit ausgegraben - bei Hungerlohn. Augustfehn gründete sich ab 1850. Die weiteren römisch gezählten Teile II und III folgten in der späteren Jahrhunderthälfte. Die Oldenburger Herrschaft förderte die Ortsentwicklung mit der Gründung einer Eisenhütte 1857. In der Raseneisenerz mit Torf als Brennmaterial verarbeitet wurde. Später wurde ein Stahlwerk errichtet. Die Industrialisierung wurde von der Bildung der Arbeiterbewegung begleitet. Die Neusiedler im Moor frönten ein armseligstes Arbeitsleben. Die Behausung war oft eine Hütte aufgetürmt mit Torfsoden. Erst mit steigendem Wohlstand setzte die heutige Bebauung ein, auch mit den typischen Gulfhäusern. Die Bahnlinie Oldenburg - Leer wurde zielstrebig an den geförderten Ort Augustfehn gelegt. Leider wurden die größten Teile der Eisenhütte abgerissen. Ebenso die schöne Kapitalisten-Villa des Direktorensitzes der Eisenhütte. Selbst im Sommer 2013 reißt man noch an der Eisenhütte ab??? Da möchte man am liebsten in der Gastwirtschaft "Zum Stahlwerk" einen "Stahlwerker" zu sich nehmen. Essen gibt's dort nur auf Anmeldung. Einem Bericht in der Zeitung ist zu entnehmen, dass "nur" der Schornstein abgebrochen werden soll. Da im Original der Eisenhütte nicht vorhanden. Ah ha! Man rekonstruiert also nach der Methode barocker als das Barock jemals idealtypisch bauen konnte. Alles zugebaute muss weg! Und die Fenster entsprachen auch nicht mehr dem ursprünglichen Zustand. Das Gefühl trügt nicht. Hier wird mehr abgerissen als ein Schornstein. Aber es gibt noch Historie, die weiter lebt. Welcher westdeutsche Fussballverein hat denn ein "Vorwärts" im Namen? Der von Augustfehn auf jeden Fall. Seit 1897. Vorwärts und nicht vergessen ... Allerdings erlebt die 1. Herrenmannschaft gerade einige deftige Niederlagen zu Beginn der Saison 2013/14. Vorwärts ... nicht rückwärts!

 

Die Hengstforder Mühle immer noch Anziehungspunkt, wenn auch mehr für ältere Semester. Von hier aus führt ein kleiner Weg direkt ins Aper Tief. Auf der anderen Flussseite ist der Einblick ins Aper Tief nur noch über Aussichtstürme möglich. Die aber Hinweise auf die Überschwemmungen, auf die Tier- und Pflanzenwelt geben. Landschaftsästhetisch gesehen ist das Aper Tief durchaus ein imposantes Hoch.

 

 

 

 

Parklandschaft


 

 

 

 

 

Fürst Pückler-Muskau hat hier keine Relevanz. Nicht bei der geplanten Landschaft. Der Landschaft des Gartenbaus. Der Baumpflanzungen. Barock herrscht hier. Ein wesentlich eingeschränkter Barock. Geradliniegkeit. Reihen. Oft Parallelität. Der Point de vue fehlt. Der Blick auf zentrale Punkte. Das Ammerland ist das Gartenbauland der Baumpflanzungen. Der Laubbäume. Koniferen. Des Rhododendron. Obstbäume fallen aus. Die Geometrie der Baumpflege beherrscht das Bild. Maschinendurchfahrten bestimmen die Abstände der Baumreihen.

 

Der englische Garten zeigt sich eher ungeplant. Auf den Grenzlinien. Beim hier dominierenden Baumbewuchs. Bei den Kurven, Windungen, Ecken. Hier herrscht ungeordneter Bewuchs. Oft als Altbestand. Eichen, weniger Buchen. Mächtige Durchmesser. Der alte Baumglauben lebt hier wohl noch. Hier legt kein Bonifatius die Hand an, um die mächtigen Eichen zu fällen.

 

Ein Schlenker durch Hüllstede, ein Richtungswechsel nach Gießelhorst, nach Langenbrügge, Richtung Bad Zwischenahn. Dokumente der Gartenbaulandschaft. Und des eher wilden Baumbewuchs am Rande von Straßen, Wegen, Pfaden. Das ist vielleicht ein Geheimnis dieser Landschaft. Am Rande, eher unauffällig, weniger wahrgenommen, findet sich die nahezu strukturelle Ästhetik dieser Region. Die Parklandschaft selber, also die geordneten Reihen der Baumpflanzungen, ist diesem Blick untergeordnet.

 

Das Ammerland ist das Land der Baumpflanzungen. Zumindest optisch überwiegt dieser Eindruck. Angeordnet nach den Strukturen der Bearbeitung. Nicht nach den Bedürfnissen der Landschaftsschau. Die sich an Natürlichkeit, kleinbäuerlicher Bewirtschaftstungsweise orientiert. Die ländliche Weisen, Idyllen, Pastoralen erwartet. Oder wie beim barocken Landschaftsgarten geplante Blickwinkel voraussetzt. Die Ammerländer Gartenbaulandschaft dagegen ist zwar gereiht, aber ohne ästhetische Voraussetzungen. Dem versuchen einige *Schaugärten* entgegenzuwirken. Der Schwerpunkt liegt auf dem reinen Ansehen. Der pflanzlichen Baumprodukte. Die entsprechend geschert wurden. Die geometrisch gestutzten Pflanzenkörper werden nun teilweise ins Areal wie willkürlich hineingeworfen platziert. Geometrie neben beliebiger Unordnung. Das erinnert eher an eine mißglückte Physikstunde, in der dem Lehrer die mitgebrachten Versuchsobjekte entglitten sind. Ein wirkliches Erleben in dieser Landschaft ist nicht möglich. Man kann sich hinsetzen und die Gestaltungen bewundern. Oder auch nicht.

 

 

 

  

 

 

 

 

 

Fintlandsmoor


 

 

 

 

 

Wie beim Hollweger Moor verzichtete man bei Teilen des Fintlandsmoor auf die vollständige Umwidmung zur landwirtschaftlichen Fläche. Nachdem Entwässerungsgräben wieder zugeschüttet wurden, sammelte sich in den vom Torf abgegrabenen Bereichen wieder Wasser. Zu großen Seen. Der Vielwuchs von Birken weist auf den großen menschlichen Bearbeitungseinfluss hin. Ohne den Mensch und seine investierte Arbeit würde sich die Birke nicht auf den nun abgetrockneten Flächen so massiv verbreiten. 

 

 

 

 

 

Nordloher Tief


 

 

 

Die Radfahrt zum Nordloher Tief ist auch eine historische Reise zu den Grenzen des Ammerlandes / des Oldenburger Herrschaftsbereiches. Die Oldenburger Grafen hatten ja nicht nur mit den Friesen unfriedliche Händel sondern auch mit Fürstbischof von Münster. Das "Münsterland" tangierte bei Barßel, entlang des Nordloher Tiefs - Aue das Ammerland. Insofern befanden sich hier einige Schanzen und Landwehren - auf beiden Seiten. Bei Ocholt wird die Radfahrt zunächst mal von der Bahnschranke gestoppt. Am Bahnsteig werkeln einige Bauarbeiter - die unsägliche barriereunfreie Unterführung wird leider nicht beseitigt. Bei Godensholt führt die Burgallee zu einer der ehemaligen oldenburgischen Schanzen und Landwehren. Zu sehen außer idyllischer Landschaft ist leider nichts mehr. Die stillgelegte Bahnlinie Ocholt - Barßel -Saterland streift die Radstrecke kurz. Der Sinn des Nordloher Kanals kommt einem nicht in den Sinn. Eine Tafel klärt über die Nordloher Schanze auf. Außer ein paar Eichen nichts mehr vorhanden. Das Nordloher Tief läßt sofort aufmerken mit seiner Gestalt, Größe und Schönheit. Das ist schon eine ganz andere Flussdimension als die sonst im Ammerland üblichen Kanäle, Bäken und Streeks. Auffällig auch die unterschiedlichen Farben der Wasserläufe. Von tiefblau bis rostbraun. Auf Barßeler Seite deutet die Burgstrasse die münsterländische Befestigungsanlage an. Ein Haus spielt mit der Fassade Legoburg. Barßel kann als kleinstädtisches Ensemble nicht überzeugen. Die Kirche zeigt entsprechende Machtfülle und hat auch mit dem Turm eine horizontale Dominanz. Ab der Brücke über die Soeste kommt mit dem Hafenbereich nahezu maritime Stimmung auf. Die groß-regionale Discostätte Tange wird bei der Weiterfahrt angeschaut. Nahezu industrielle Musikabfertigung herrscht hier. Einzäunungen, Überwachungskameras geben sich eher ungastlich. Die Jugend stört's wohl nicht. Man merkt das eigene Alter umso mehr. Discofever gone forever. Dann glaubt man seinen Augen nicht zu trauen. Freilaufende Schweine. Handelt es sich um das hällische Landschwein? Beim genaueren Hinschauen kommt wohl eher das bunte Bentheimer Schwein in Frage, da der Kopfbereich nicht durchgehend angedunkelt ist. Unkorrekt als "Mohrenköpfle" bezeichnet. Schon führt die Radfahrt am Aper Tief vorbei. An vielen Bäumen Reklame für eine Apener Open Air, das am Burgplatz veranstaltet wird. Aber wo ist denn der nur in Apen? Burg oder Festung scheint die Frage zu sein?

 

 

 

 

 

 

 

Kayhauser Moor - Engelsmeer


 

 

 

 

 

Die Moore bei Bad Zwischenahn sind alle in ihre ursprünglichen Form stark angegriffen, abgetorft, ausgetrocknet. Schön, dass man den Torfspitt in einem Ausschnitt auch tatsächlich mal sehen kann. Wenn auch dieser Ausschnitt für die Mooraufsucher etwas wenig Substanz zum längeren Verweilen bietet. Bei Kindern bricht nach den Gesichtern zu schließen schnell Langeweile aus. Die Moorroute der Touristiker führt zudem mehr am Moor vorbei, als hin zu den interessanten Punkten. Einige Sandwege zum Moor hin sind zum Fahrradfahren kaum geeignet. Der ungefähre Fundort einer Moorleiche ist zu entdecken. Als Hörspiel zu genießen. Man bevorzugt doch eher die Lösung der Friesen, an interessanten Landschaftspunkten, Tafeln mit Informationen aufzustellen. Die kann man schließlich erst klassisch inhaltlich aufnehmen und auch für das spätere Nachbearbeiten abfotographieren.  

 

 

 

 

 

Spohler Moor - Feldsiedlungen


 

 

 

 

 

Typische Feldsiedlungslandschaft. Verstreute Besiedlung, große Scheunen, Weiden, Maisfelder, Strommasten, schmale Wege. Spohle mit dem Dorfkrug ein regionales Zentrum.

 

 

 

 

 

 

 

Aue


 

 

 

 

Ein Fluss, der fast bei jeder Gelegenheit den Namen ändert. Ein Fluss der lange Grenzgebiet zwischen Oldenburg und Münster war. Ein streitbares Grenzgebiet mit gegenseitigen Ansprüchen. Deshalb mit Schanzen bewehrt. Schiffbar bis Edewecht. Oder nur bis Westerscheps? Die Angaben darüber sind etwas unklar.

 

 

 

 

 

Rastede


 

 

 

Rastede ist Residenzstadt, feiert sich als Residenzstadt, leitet sich imagemäßig von der sommerlichen oldenburgischen Residenz ab. Die ist zurzeit mit einem Gerüst umstellt. Ansonsten setzt Rastede auf den Gaul. Rennen gehen nicht immer ohne Opfer ab. Einen Weihnachtsmarkt 2013 bekommen aber die Residenzlinge nicht mehr hin. Der Bahnhof ist ein Nicht-Bahnhof. Der Flaneur bestimmt die Hauptstraße Rastedes. Viel ist nicht dahinter. Der Feuerwehrschlauchabtropftrockenturm will hoch hinaus. Die alte Kirche bleibt bescheiden.