Altenburg

 

Altenburg - Aldenburg - Oldenburg

 

Die Schreibweise von Oldenburg variierte über die Jahrhunderte. Uneheliche Söhne der Oldenburger bekamen gern den Titel von Aldenburg.

 

 

Werbachstr. / Hochhauserstraße Oldenburg

 

 

 

 

Oldenburg - Werbachstrasse - Hochhauserstrasse

 

Altenburg, Oldenburg. Erste Arbeitstage in Oldenburg Anfang 2002.Zunächst noch in einem Hotel untergebracht. Auf dem Fußwege zur Arbeitsstätte ein gründerzeitliches Wohngebiet durchschreitend. Typisch großzügige Strassenanlage mit vielen Kreuzungen, Straßenbäumen, fassaden-historisierende Gebäude. Ein Stadtquartier, immer erinnernd an das Studium in Kassel (Studiengang Landschaftsplanung, Stadtplanung, Architektur), mit tieferer Beschäftigung mit den Konzeptionen dieser Bezirke, mit den Lebensdingungen, mit den Möglichkeiten der Nutzung von dysfunktionalen Freiflächen. Der Blick ist auch auf die Straßenschilder gerichtet. Der eher friedliche Eindruck des Wohngebietes wird mit den auf den Schildern zu findenden Namen konterkariert.Schlachtengemetzel herrscht vor.

Dann eine überraschende Entdeckung: Werbachstrasse! Verdutzt schaut man ein zweitesmal. Tatsächlich: Werbachstrasse. Wieso das? Wie kommt Oldenburg dazu eine Strasse nach einem kleinen tauberfränkischen Ort, dem Herkunftsort des eigenen Familiennamens zu benennen. Zufall? Recht schnell lerne ich, dass in diesem Landstrich ein Bach eine Bäke ist. Also müßte der Strassenname auf Werbäke lauten, sollte er an eine einheimische, an eine lokale Gegebenheit erinnern. Bald wird die gesamte Länge der Werbachstrasse erkundet.

 

Auf die Werbachstrasse stößt eine Hochhauserstrasse. Schon wieder ein Name, der an ein Werbach direkt benachbartes Dorf - Hochhausen - erinnert. In Tauberfranken hätte man zwar Hochhäuserstrasse geschrieben, aber die Schreibweise kann ja mit Zunahme der Einnordung varieren. Aber nun ist endgültig klar, dass diese Häufung herkunfts-heimatlicher Ortsnamen in Oldenburg kein Zufall sein kann. Die Hochhauserstrasse mündet auch noch in eine Würzburger Strasse.

 

 

Die Ortsnamen aus Süddeutschland sind also keine friedliche Insel innerhalb der ansonsten kriegerischen Strassennamen, sondern kennzeichnen Schlachtstätten. Die des 1866er Bruder- und Schwesterkrieges, der Deutschland endgültig zu Preußen machte und damit seine kommende Untergänge vorher bestimmte. Also die Gefechte zwischen Werbach/Hochhausen sowie bei Würzburg. Warum hatten sich diese in das Oldenburger Straßenbenennungsbewußtsein hineingetan? Es waren Oldenburger Soldaten, genauer Oldenburger Einheiten mit Soldaten des Oldenburger Landes: Das Oldenburgische Infanterie-Regiment (Nr. 91) und das Feldartillerie-Regiment Nr. 62 und damit schon Teil der preußischen Armee.

 

 

Das Gefecht fand am 24. Juli 1866 statt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ostfriesisches_Feldartillerie-Regiment_Nr._62
http://de.wikipedia.org/wiki/Oldenburgisches_Infanterie-Regiment_Nr._91

 

 

Eine topographische Karte zeigt die räumliche Lage. Allerdings endete 1866 die Eisenbahn, die noch im Bau war, zu dieser Zeit in Hochhausen:
http://www.nla.gov.au/apps/cdview?pi=nla.map-rm2773-sd&rgn=&prevwidth=1000&width=1200

 

 

Die Hochhauser Strasse beeindruckt neben ihrer gründerzeitlichen Architektur durch die Verfassung der Straßenpflasterung. Die wohl noch die Originale der Gründerzeit ist. Völlig ungleiche, unebene, unbearbeitete Steine. Nur in der Mitte ein schmaler Streifen Klinkersteine. Völlig Fahrrad untauglich.

 

 

An der Auguststrasse / Ofener Strasse befand sich die Kaserne des Feldartillerie-Regiments. Heute Sitz einer Fachhochschule bzw. Feuerwehr. Auf dem Gelände ist auch noch eine nekrologische Ehrenhalle. Eingerahmt von einem Park. Die Infanterie-Kaserne, wenn auch baulich verändert, liegt am Pferdemarkt.

 

 

 

Grabmal der Oldenburger Gefallenen in Hochhausen

 

 

 

 

In Hochhausen wird im Friedhof an getötete Soldaten der Oldenburger mit einem bescheidenen Gedenkstein gedacht. Die Kriegerdenkmale der Verlierer in Werbach, Tauberbischofsheim, Hundheim fielen umso größer aus. Zudem schleppten die Oldenburger auch noch die Cholera mit. Betroffene Dörfer durften nicht mehr betreten werden. Die betroffene Dorfbevölkerung wurde erheblich dezimiert. Groß war auch die Liste der Requisitionen: 12000 Laib Brot à 5-6 Pfund, 80 fette Ochsen, 10 fette Schweine, 50 fette Hämmel, 12 Ztr. gebrannten Kaffee, 12 Ztr. Salz, 1400 Ztr. Hafer, 240 Eimer gutes Bier, 2000 Flaschen vorzüglichen Wein für Offiziere, 246 Eimer guten Landwein, 16000 sehr gute Cigarren für Offiziere, 340000 gute Cigarren, 400 Ztr. Kartoffel von diesem Jahre, 60 Ztr. Speck. Das schreit ja direkt nach historischer Gerechtigkeit. Man bekommt Lust, bei der Oldenburger Verwaltung die historische Verantwortung anzumahnen und einen Teil der Reparationen einzufordern.

 

 

 

 

Hochhausen - Werbach


 

 

 

 

 

 

 

Bei Hochhausen und Werbach ist das Taubertal stark aufgeweitet. Dieses findet hier auf Muschelkalk die größte Breite. Dann erfolgt in Richtung Niklashausen der Übergang auf Buntsandstein und damit eine nahezu dramatische Verengung des Talbereiches. Die kleine zauberhafte Brücke zwischen Hochhausen und Werbach diente auch als Kulisse für Filmaufnahmen. Hier fand auch die Schlacht zwischen den Oldenburger und den Badensischen Truppen 1866 statt). Die Oldenburger, die über die Höhenzüge ins Taubertal vorstießen, hatten den Auftrag, den Tauberübergang zu gewinnen. Einige Fotos, Bilder, Postkarten im Bändchen “800 Jahre Werbach” zeigen die landschaftliche Situation der damaligen Zeit, verdeutlichen auch die schlechtere Position der badischen Truppen, da ein breiter, weiter, fast völlig offener Wiesengrund sich von der Tauberbrücke bis zum Ortsrand von Werbach erstreckte und damit keinerlei Deckung bot. Die Oldenburger Artillerie war auch von der Schlagkraft her der badischen weit überlegen und konnte diese und auch den Ersatz völlig ‘beschädigen’, vernichten.

 

 

Auf dem Friedhof von Hochhausen findet sich das bescheidene Grabdenkmal der Oldenburger Gefallenen. Die Gefallenen der Verlierer erhielten ein pompöseres Denkmal in Werbach. Mit dem sich eher die Herrschaft widerspiegelte. Die Tauberwiesen zeigen eine eher idyllische Landschaft denn eine Schlachtentopographie.

 

Literaturhinweis: Zum genaueren historischen Hergang:
- Klaus Müller: 1866: Bismarcks deutscher Bruderkrieg. Königgrätz und die Schlachten auf deutschem Boden. 2007.
- Julius Berberich: Geschichte der Stadt Tauberbischofsheim und des Amtsbezirks. 1895.
- Karl Krug: Die Cholera in Dittigheim (1866). In: Elmar Weiß: Dittigheim. Eine alte Siedlung im Taubertal. 1987.
- Gemeinde Werbach (Hrsg.): 800 Jahre Werbach. 1200-2000.

 

 

 

Wohlfarth - Werbach

 

- Trifft man irgendwo einen Werbacher, der auch Wohlfarth heißt, wird man schnell als Verwandter eingemeindet. Der eigene Stammbau verweist auf nur wenige verbliebene Verwandtschaftslinien in Werbach. Allerdings hatte man in der Kindheit, als Verwandschaftsbeziehungen noch was galten, niemals dort Verwandschaft besucht. Nur im Nachbarort Böttigheim. Merkwürdig stößt einem an, dass am Werbacher Kriegerdenkmal 14/18 die-th-Endungs-Wohlfarths die Gefallenen stellen.

 

 

- Werbach wird immer wieder mal per Rad besucht. Neugierde immer wieder auf die engen Gassen Richtung Taubertal. Direkte Anrede war in diesem Viertel üblich. Ein Blick auf das etwas trübe Wetter. Und auf den majestätischen Apfelberg. Dabei klärte eine ältere *Oma* mich über den Apfelberg, höchster Buckel desTaubertals, auf. “Wenn der Berg nah ist, dann regnet es.” Seitdem wird immer geguckt, ob der Berg nahe ist. Das Viertel ist inzwischen “modernisiert”.

 

 

- Der Name Wohlfarth, auch in variierter Schreibweise ist entlang des Taubertales weit verbreitet, in manchen Orten typisch, häufig. Meine Familie Wohlfarth / Wohlfart stammt aus dem Ort Werbach. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Werbacher Taufbuch verbrannt. Insofern sind frühere Nachweise aus Dokumenten nicht möglich. Schade. Schade. Gern hätte man nachverfolgt, wie sich die Wohlfart(h) 1525 gehalten haben. Das Werbacher Familienbuch (Ortssippenbuch Werbach von Wolfgang Spinner, 1996) erleichtert die Darstellung der Nachfolge. Mit 1.1.5.1.3.6.2 Johann verläßt mein “Wohlfarth”-Stamm Werbach in das benachbarte Böttigheim. Dessen Sohn Johann Kilian 1.1.5.1.3.6.2.1 zieht dann zur Einheirat nach Tauberbischofsheim. Das th am Ende verdankt sich nur der th-Hysterie des Kaiserreiches. Keiner Originalität.

 

 

Wohlfart, ab ca. 1890 = Wohlfarth

Wohnort: Werbach – Böttigheim - Tauberbischofsheim

Beruf: Schäfer – Tagelöhner – Bauer (Werbach-Generationen)

 

1. Generation
1. Adam ?-1676
oo Dorothea ?-1674, 2 Kinder

1.1 Johann Martin ?-1726

 

(...)

 

 

7. Generation

1.1.5.1.3.6.2 Johann 10.8.1845-19.7.1922
oo Maria geb. Ködel, Böttigheim -> Werbach verlassen nach Böttigheim, 5? Kinder

1.1.5.1.3.6.2.1 Johann Kilian 1881-1965

 

 

 

Hinweis: Weitere Infos siehe:

http://www.tauber-franken-online.de/Wohlfarth